Stand 26.08.2026
Erklärt
Wie Politik funktioniert
Die wichtigsten Abläufe des politischen Systems — als Grafik, Schritt für Schritt, mit Quelle. Jeder Begriff ist mit dem Glossar und jedes Organ mit seiner Seite verlinkt.
Die Verfassungsorgane des Bundes
Diese fünf obersten Organe teilen sich im politischen Alltag die Staatsgewalt — geordnet nach Legislative, Exekutive und Judikative. Jede Karte führt zum Glossar-Eintrag, zur passenden PolitikCheck-Seite und zur amtlichen Website des Organs.
- LegislativeArt. 38 GG
Bundestag
Direkt vom Volk gewählt — 630 Abgeordnete
Beschließt die Bundesgesetze, wählt den Bundeskanzler, kontrolliert die Regierung und entscheidet über den Haushalt.
- LegislativeArt. 50 GG
Bundesrat
Mitglieder der 16 Landesregierungen
Über ihn wirken die Länder an der Gesetzgebung und Verwaltung des Bundes mit — bei vielen Gesetzen muss er zustimmen.
- ExekutiveArt. 62 GG
Bundesregierung
Bundeskanzler und die Bundesminister
Führt die Regierungsgeschäfte, bringt Gesetzentwürfe ein und setzt die beschlossenen Gesetze um.
- StaatsoberhauptArt. 54 GG
Bundespräsident
Von der Bundesversammlung für 5 Jahre gewählt
Repräsentiert Deutschland nach innen und außen, fertigt die Gesetze aus und ernennt Kanzler und Minister.
- JudikativeArt. 92, 93 GG
Bundesverfassungsgericht
Höchstes Gericht — „Hüter der Verfassung“
Prüft Gesetze und staatliches Handeln an der Verfassung; jede Person kann mit der Verfassungsbeschwerde dorthin gehen.
Quelle: Grundgesetz Art. 38–94 · die Bundesversammlung tritt nur zur Wahl des Bundespräsidenten zusammen und zählt als weiteres (sechstes) Verfassungsorgan. Nur GG-belegte Rollen. Neutral dargestellt.
Grundlagen des Staatsaufbaus
Gewaltenteilung
Föderaler Staatsaufbau
Wie ein Gesetz entsteht
Wie ein Gesetz entsteht
Vom ersten Entwurf bis zum Inkrafttreten durchläuft jedes Bundesgesetz acht Stationen — beteiligt sind Bundestag und Bundesrat. Die einzelnen Abstimmungen lassen sich später nachvollziehen. Jeder Akteur unten führt zum Glossar-Eintrag.
Gesetzentwurf einbringen
Den Anstoß geben darf die Bundesregierung, der Bundesrat oder die Mitte des Bundestages — eine Fraktion oder mindestens fünf Prozent der Abgeordneten.
Erste Lesung
Der Entwurf wird im Plenum vorgestellt und zur Beratung an die zuständigen Fachausschüsse überwiesen.
Ausschussberatung
Die Fachausschüsse prüfen den Entwurf im Detail, hören Sachverständige an und arbeiten Änderungen ein.
Zweite Lesung
Aussprache im Plenum; über einzelne Änderungsanträge kann abgestimmt werden.
Dritte Lesung & Schlussabstimmung
Nach der letzten Aussprache wird das Gesetz als Ganzes angenommen oder abgelehnt.
Der Bundesrat entscheidet mit
Die Länderkammer befasst sich mit dem Beschluss des Bundestages.
Zustimmungsgesetze brauchen die ausdrückliche Zustimmung des Bundesrats. Bei Einspruchsgesetzen kann der Bundestag einen Einspruch überstimmen. Bei Streit vermittelt der Vermittlungsausschuss.
Ausfertigung
Der Bundespräsident prüft das Gesetz formal und fertigt es aus — gegengezeichnet von Kanzler und zuständigem Ministerium.
Verkündung & Inkrafttreten
Das Gesetz wird im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und tritt zum festgelegten Zeitpunkt in Kraft.
Zustimmungs- oder Einspruchsgesetz — was der Unterschied ist, beantworten die häufigen Fragen unten. Begriffe wie Lesung1./2./3. LesungStationen eines Gesetzes im Bundestag. 1. Lesung: Vorstellung und Überweisung an Ausschüsse. 2. Lesung: Aussprache + Änderungsanträge. 3. Lesung: Schlussabstimmung.Im Glossar nachlesen →, AusschussBundestagsausschussFachgremium des Bundestages, das Gesetze vorbereitet und kontrolliert. 25 ständige Ausschüsse — von „Auswärtiges" bis „Wohnen". Hier wird die eigentliche Arbeit gemacht.Im Glossar nachlesen → oder VermittlungsausschussVermittlungsausschussGemeinsames Gremium aus 16 Bundestagsabgeordneten und 16 Bundesratsmitgliedern. Wird angerufen, wenn Bundestag und Bundesrat sich bei einem zustimmungspflichtigen Gesetz nicht einig sind.Im Glossar nachlesen → erklärt das Glossar.
Werde aktiv
Gesetze entstehen nicht hinter verschlossenen Türen — du kannst sie verfolgen und nachfragen.
Quelle: Grundgesetz Art. 76–82 · Bundeszentrale für politische Bildung (bpb.de) (abgerufen 26.06.2026). Eigene Darstellung im PolitikCheck-Design.
Wie funktioniert eine Bundestagswahl?
Erst- und Zweitstimme, 5-%-Hürde und Sitzverteilung — in sieben Schritten. Termine und Ergebnisse findest du unter Wahlen, deinen Wahlkreis unter Mein Wahlkreis. Wie sich das Bundestagswahlrecht seit der Reform 2023 von den 16 Landtagswahlsystemen und der Europawahl unterscheidet, zeigt der Tab Wahlsysteme im Vergleich.
Wer wählen darf
Wahlberechtigt sind alle Deutschen ab 18 Jahren. Gewählt wird regulär alle vier Jahre.
Zwei Stimmen
Die Erststimme gilt einer Person im Wahlkreis, die Zweitstimme einer Partei (Landesliste).
299 Wahlkreise
Wer in einem Wahlkreis die meisten Erststimmen holt, gewinnt das Direktmandat.
Die Zweitstimme zählt
Der bundesweite Zweitstimmenanteil bestimmt, wie viele Sitze eine Partei im Bundestag erhält.
Die 5-%-Hürde
In den Bundestag zieht ein, wer mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen oder drei Direktmandate erreicht (Grundmandatsklausel). Ausgenommen sind Parteien nationaler Minderheiten wie der SSW — für sie gilt die Hürde nicht (§ 4 Abs. 2 Satz 3 BWahlG).
Sitzverteilung
Die 630 Sitze werden nach dem Verfahren Sainte-Laguë auf die Parteien verteilt.
Seit der Wahlrechtsreform sind es fest 630 Sitze ohne Überhang- und Ausgleichsmandate. Ein Wahlkreissieg zählt nur, wenn er durch das Zweitstimmenergebnis der Partei gedeckt ist (Zweitstimmendeckung).
- 07Danach
Regierungsbildung
Mit der Sitzverteilung beginnt die Suche nach einer Mehrheit — die Regierungsbildung.
Werde aktiv
Geh wählen — und bereite dich vor: dein Wahlkreis, die Kandidaten und ein Positionsabgleich.
Quelle: Bundeswahlgesetz · Grundgesetz Art. 38 · bpb.de (abgerufen 26.06.2026). Eigene Darstellung.
Wie entsteht eine Regierung?
Von der Sondierung bis zur Vereidigung — wie aus einem Wahlergebnis eine Regierung wird. Wer aktuell regiert, zeigt die Seite Personen; einzelne Abgeordnete findest du unter Abgeordnete.
Das Ergebnis steht
Die Sitzverteilung im neuen Bundestag ist amtlich — jetzt zählt, wer zusammen eine Mehrheit hat.
Sondierung
Mögliche Partner loten aus, welche Bündnisse rechnerisch und inhaltlich tragfähig sind.
Koalitionsverhandlungen
Die Partner handeln einen Koalitionsvertrag aus — das gemeinsame Regierungsprogramm.
Kanzlerwahl
Der Bundestag wählt den Kanzler mit der Mehrheit seiner Mitglieder (Kanzlermehrheit).
Ernennung
Der Bundespräsident ernennt den Kanzler und auf dessen Vorschlag die Minister.
Vereidigung
Die Regierung leistet den Amtseid vor dem Bundestag und nimmt ihre Arbeit auf.
Werde aktiv
Eine Regierung muss sich kontrollieren lassen — schau ihr auf die Finger und frag nach.
Quelle: Grundgesetz Art. 63–64 · bpb.de (abgerufen 26.06.2026). Eigene Darstellung.
Wer macht welche Gesetze? Bund & Länder
Deutschland ist ein Bundesstaat (Bundesstaatsprinzip): Das Grundgesetz verteilt die Gesetzgebung zwischen Bund und Ländern in drei Stufen — geregelt im Föderalismus der Artikel 70–74 GG.
Allein der Bund
Ausschließliche Gesetzgebung: In diesen Sachgebieten darf nur der Bund Gesetze erlassen. Die Länder können hier nur tätig werden, wenn ein Bundesgesetz sie ausdrücklich dazu ermächtigt.
- Auswärtige Angelegenheiten & Verteidigung
- Staatsangehörigkeit, Pass- & Meldewesen
- Währung, Geld- & Münzwesen
- Bundespolizei & Zollgrenzschutz
- Post & Telekommunikation
- Luftverkehr
Bund oder Länder
Konkurrierende Gesetzgebung: Die Länder dürfen regeln, solange und soweit der Bund von seinem Recht keinen Gebrauch macht. Erlässt der Bund ein Gesetz, geht es vor.
- Bürgerliches Recht & Strafrecht
- Arbeits- & Wirtschaftsrecht
- Sozialversicherung
- Straßenverkehr
- Aufenthalts- & Niederlassungsrecht
Bei einem Teil dieser Materien darf der Bund nur regeln, wenn dies erforderlich ist (Erforderlichkeitsklausel, Art. 72 Abs. 2 GG). In bestimmten Bereichen können die Länder zudem durch eigene Gesetze abweichen (Abweichungsrecht, Art. 72 Abs. 3 GG, eingeführt mit der Föderalismusreform 2006).
Sache der Länder
Residualkompetenz: Was das Grundgesetz nicht dem Bund zuweist, ist Sache der Länder. Hier liegt die Zuständigkeit grundsätzlich bei den 16 Ländern.
- Schule & Bildung
- Hochschulen
- Polizei- & Ordnungsrecht
- Kommunalrecht
- Rundfunk & Kultur
- Gaststätten- & Ladenschlussrecht
Quelle: Grundgesetz Art. 70–74 · bpb.de — Kompetenzverteilung. Nur GG-belegte Zuordnungen. Neutral dargestellt.
Die Institutionen der EU — wer macht was?
Die Europäische Union handelt durch mehrere Organe mit klar verteilten Aufgaben. Wer Gesetze vorschlägt, wer sie beschließt und wer ihre Einhaltung sichert, regeln EU-Vertrag (EUV) und Vertrag über die Arbeitsweise der EU (AEUV).
- Art. 14 EUV
Europäisches Parlament
Direkt von den Bürgern gewählt
Mitgesetzgeber, beschließt gemeinsam mit dem Rat über Gesetze und Haushalt und kontrolliert die übrigen EU-Organe.
- Art. 16 EUV
Rat der EU (Ministerrat)
Fachminister der Mitgliedstaaten
Mitgesetzgeber, beschließt gemeinsam mit dem Parlament EU-Gesetze und den Haushalt.
- Art. 17 EUV
Europäische Kommission
Je ein Mitglied pro Mitgliedstaat, unabhängig von Weisungen
Hat das Initiativrecht (schlägt Gesetze vor), ist „Hüterin der Verträge“ und nimmt als Exekutive Verwaltungsaufgaben wahr.
- Art. 15 EUV
Europäischer Rat
Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten
Gibt die allgemeinen politischen Leitlinien und Prioritäten vor — wird aber nicht gesetzgeberisch tätig.
- Art. 19 EUV
Europäischer Gerichtshof (EuGH)
Je ein Richter pro Mitgliedstaat
Wahrt das EU-Recht und sorgt für seine einheitliche Auslegung in allen Mitgliedstaaten.
- Art. 282 AEUV
Europäische Zentralbank (EZB)
Unabhängige Zentralbank des Euro-Währungsraums
Führt die Geldpolitik des Euro mit dem vorrangigen Ziel der Preisstabilität.
Wie ein EU-Gesetz entsteht (ordentliches Gesetzgebungsverfahren)
Kommission schlägt vorParlament und Rat beschließen gemeinsam
Geregelt in Art. 294 AEUV. Erst wenn beide Organe demselben Text zustimmen, tritt der Rechtsakt in Kraft.
Quelle: EU-Vertrag (EUV) und Vertrag über die Arbeitsweise der EU (AEUV) · europa.eu · bpb.de
Wahlsysteme im Vergleich
Bundestag, 16 Landtage, Europäisches Parlament: überall Verhältniswahl — und doch dreimal grundverschieden. Wie die Bundestagswahl seit der Reform 2023 funktioniert, was die Länder anders machen (Bayerns Gesamtstimmen, Bremens fünf Stimmen, d'Hondt im Saarland) und warum bei der Europawahl keine Sperrklausel gilt — mit amtlicher Quelle je Kachel.
Bundestagswahl
Bundestagswahl seit der Reform 2023
Die Wahlrechtsreform 2023Wahlrechtsreform 2023Reform des Bundeswahlgesetzes vom Juni 2023: Bundestag wird auf 630 Sitze gedeckelt, Überhang- und Ausgleichsmandate entfallen, Grundmandatsklausel zunächst gestrichen — nach BVerfG-Urteil 2024 teilweise wiederhergestellt.Im Glossar nachlesen → hat das Bundestagswahlrecht grundlegend umgebaut — erstmals angewandt bei der Wahl am 23. Februar 2025. Der Bundestag hat seitdem fest 630 Sitze; ÜberhangmandateÜberhang- und AusgleichsmandatMit der Wahlrechtsreform 2023 abgeschafft. Überhangmandate entstanden bis 2021, wenn eine Partei mehr Direktmandate gewann, als ihr nach Zweitstimmen zustanden; Ausgleichsmandate stellten den Proporz wieder her — der Bundestag wuchs zuletzt auf 736 Sitze.Im Glossar nachlesen → und AusgleichsmandateAusgleichsmandatZusätzlicher Sitz, der bis zur Wahlrechtsreform 2023 vergeben wurde, um Überhangmandate auszugleichen und das Zweitstimmenverhältnis im Bundestag zu wahren. Seit der BTW 2025 abgeschafft.Im Glossar nachlesen → sind abgeschafft.
So funktioniert der Stimmzettel (Schema)
Erststimme (linke Spalte)
eine Person im Wahlkreis — 299 Wahlkreise
→ entscheidet, WER den Wahlkreis gewinnt
Zweitstimme (rechte Spalte)
eine Landesliste (Partei)
→ entscheidet ALLEIN, wie viele Sitze eine Partei bekommt
1Zweitstimmen zählen
bundesweit je Partei (5-%-Hürde)
2630 Sitze verteilen
nach Sainte-Laguë auf Parteien & Landeslisten
3Wahlkreissieger einziehen
nur mit Zweitstimmendeckung — sonst bleibt der Sitz unbesetzt
- Zwei Stimmen wie bisher: Die ErststimmeErststimme & ZweitstimmeBei der Bundestagswahl hat jeder Wahlberechtigte zwei Stimmen: Erststimme für einen Direktkandidaten im Wahlkreis (Mehrheitswahl), Zweitstimme für eine Landesliste einer Partei (Verhältniswahl). Die Zweitstimme entscheidet über die Sitzverteilung.Im Glossar nachlesen → gilt einer Person in einem der 299 WahlkreiseWahlkreisGeographisch abgegrenztes Gebiet für die Erststimme bei der Bundestagswahl. Bundesweit 299 Wahlkreise. Je Wahlkreis wird ein direkter Abgeordneter gewählt (relative Mehrheit).Im Glossar nachlesen →, die Zweitstimme einer LandeslisteLandeslisteDie Bewerberliste einer Partei für ein Bundesland — ihr gilt die Zweitstimme. Die Reihenfolge legt die Partei in geheimer Abstimmung fest; am Wahltag ist die Liste starr, Wähler können sie nicht umsortieren. Nur Parteien dürfen Landeslisten einreichen (§ 27 BWahlG).Im Glossar nachlesen →. Allein die Zweitstimmen bestimmen, wie viele Sitze eine Partei erhält.
- Neu — die ZweitstimmendeckungZweitstimmendeckungKernmechanismus der Wahlrechtsreform 2023: Ein Wahlkreissieger erhält sein Direktmandat nur, wenn es durch das Zweitstimmenergebnis seiner Partei im jeweiligen Land gedeckt ist. Folge: keine Überhangmandate mehr, Bundestag fest bei 630 Sitzen.Im Glossar nachlesen →: Wer seinen Wahlkreis gewinnt, zieht nur dann ein, wenn der Sitz durch das Zweitstimmenergebnis seiner Partei gedeckt ist. Die am knappsten gewonnenen Wahlkreise einer Partei können daher unbesetzt bleiben.
- Sitzberechnung: Die 630 Sitze werden nach Sainte-Laguë/SchepersSainte-Laguë/Schepers (Sitzzuteilung)Das Rechenverfahren, mit dem die Zweitstimmen in Sitze umgerechnet werden. Seit 2009 gilt bei der Bundestagswahl das Divisorverfahren Sainte-Laguë/Schepers — es benachteiligt weder kleine noch große Parteien systematisch.Im Glossar nachlesen → verteilt — erst auf die Parteien, dann auf deren Landeslisten (Ober- und UnterverteilungOberverteilung & UnterverteilungDie zwei Rechenschritte der Sitzverteilung nach § 5 BWahlG: In der Oberverteilung werden die 630 Sitze bundesweit nach Zweitstimmen auf die Parteien verteilt, in der Unterverteilung die Sitze jeder Partei auf ihre Landeslisten — beides mit Sainte-Laguë/Schepers.Im Glossar nachlesen →).
- Hürden: Es gilt die 5-%-SperrklauselSperrklausel (5-%-Hürde)Eine Partei zieht nur in den Bundestag ein, wenn sie bundesweit mindestens 5 % der Zweitstimmen erhält ODER mindestens drei Direktmandate gewinnt. Ziel: Zersplitterung des Parlaments verhindern.Im Glossar nachlesen →; wer mindestens drei Wahlkreise gewinnt, ist über die GrundmandatsklauselGrundmandatsklauselAusnahme von der 5-%-Hürde: Eine Partei nimmt trotz weniger als 5 % der Zweitstimmen an der Sitzverteilung teil, wenn ihre Bewerber in mindestens drei Wahlkreisen die meisten Erststimmen erringen. 2023 gestrichen, seit dem BVerfG-Urteil vom 30.07.2024 wieder anzuwenden.Im Glossar nachlesen → ausgenommen. Die Reform wollte diese Klausel streichen — das Bundesverfassungsgericht ordnete im Urteil vom 30. Juli 2024 ihre Fortgeltung an, bis der Gesetzgeber die Sperrklausel neu regelt. Ausführlich mit allen knappen Fällen seit 1990: der Sperrklausel-Erklärartikel →
Umstritten: die Zweitstimmendeckung — zwei Sichtweisen
Reformziel
Überhang- und Ausgleichsmandate hatten den Bundestag zuletzt auf 736 Sitze (2021) anwachsen lassen. Die feste Größe von 630 Sitzen soll das Parlament verkleinern und die Sitzzahl wieder planbar an die Zweitstimmen binden.
Kritik
Wer seinen Wahlkreis direkt gewinnt, kann seit der Reform ohne Mandat bleiben, wenn das Zweitstimmenergebnis der Partei den Sitz nicht deckt — aus Sicht der Kritik eine Schwächung der direkten Wahlkreis-Vertretung.
Das Bundesverfassungsgericht erklärte die Zweitstimmendeckung im Urteil vom 30. Juli 2024 für verfassungsgemäß — der Wahlkreissieg begründet danach keinen verfassungsrechtlichen Anspruch auf einen Sitz. BVerfG, Urteil vom 30.07.2024 – 2 BvF 1/23 ↗
| Vor der Reform | Seit der Reform 2023 | |
|---|---|---|
| Größe | Regelgröße 598, durch Überhang und Ausgleich zuletzt 736 Sitze (2021) | Fest 630 Sitze |
| Wahlkreissieg | Direktmandat garantiert | Nur mit Zweitstimmendeckung |
| Überhang/Ausgleich | Ja | Abgeschafft |
| Sperrklausel | 5 % oder 3 Direktmandate | 5 % oder 3 Direktmandate (Grundmandatsklausel per BVerfG-Urteil vorerst weiter in Kraft) |
Quellen: Bundeswahlleiterin — Das Wahlsystem (Bundestagswahl 2025) · Bundeswahlgesetz (gesetze-im-internet.de) (Zugriff 03.07.2026). Eigene Darstellung.
16 Landtagswahlsysteme im Vergleich
Alle Länder wählen nach der VerhältniswahlVerhältniswahl vs. MehrheitswahlZwei Grundtypen: Verhältniswahl → Sitze proportional zu Stimmen (Deutschland, Niederlande). Mehrheitswahl → wer im Wahlkreis Mehrheit hat, bekommt den Sitz (UK, USA). Deutschland: personalisiertes Verhältniswahlrecht (Mischform).Im Glossar nachlesen →, aber im Detail unterscheiden sich die Systeme deutlich: bei der Zahl der Stimmen, beim Rechenverfahren für die Sitzverteilung und bei den Ausnahmen von der SperrklauselSperrklausel (5-%-Hürde)Eine Partei zieht nur in den Bundestag ein, wenn sie bundesweit mindestens 5 % der Zweitstimmen erhält ODER mindestens drei Direktmandate gewinnt. Ziel: Zersplitterung des Parlaments verhindern.Im Glossar nachlesen →. Anders als im Bund seit 2023 können in den meisten Ländern Überhang-Überhang- und AusgleichsmandatMit der Wahlrechtsreform 2023 abgeschafft. Überhangmandate entstanden bis 2021, wenn eine Partei mehr Direktmandate gewann, als ihr nach Zweitstimmen zustanden; Ausgleichsmandate stellten den Proporz wieder her — der Bundestag wuchs zuletzt auf 736 Sitze.Im Glossar nachlesen → und AusgleichsmandateAusgleichsmandatZusätzlicher Sitz, der bis zur Wahlrechtsreform 2023 vergeben wurde, um Überhangmandate auszugleichen und das Zweitstimmenverhältnis im Bundestag zu wahren. Seit der BTW 2025 abgeschafft.Im Glossar nachlesen → das Parlament weiterhin vergrößern — ausgenommen Bremen und das Saarland, die ohne Direktmandate wählen.
Bundestag
4 Jahre630 Sitze · Wahlkreise (299)
🗳️ 2 Stimmen · Sainte-Laguë
Sperrklausel: 5 % oder 3 Direktmandate
Baden-Württemberg1
5 Jahre120 Sitze · Wahlkreise (70)
🗳️ 2 Stimmen · Sainte-Laguë
Sperrklausel: 5 % landesweit
Bayern2
5 Jahre180 Sitze · Wahlkreise (91)
🗳️ 2 Stimmen · Sainte-Laguë
Sperrklausel: 5 % landesweit
Berlin3
5 Jahre130 Sitze · Wahlkreise (78)
🗳️ 2 Stimmen · Hare/Niemeyer
Sperrklausel: 5 % oder 1 Direktmandat
Brandenburg4
5 Jahre88 Sitze · Wahlkreise (44)
🗳️ 2 Stimmen · Hare/Niemeyer
Sperrklausel: 5 % oder 1 Direktmandat
Bremen5
4 Jahre87 Sitze · Wahlkreise (–)
🗳️ 5 Stimmen · Sainte-Laguë
Sperrklausel: 5 % je Wahlbereich
Hamburg6
5 Jahre121 Sitze · Wahlkreise (71)
🗳️ 10 Stimmen · Sainte-Laguë
Sperrklausel: 5 % landesweit
Hessen
5 Jahre110 Sitze · Wahlkreise (55)
🗳️ 2 Stimmen · Hare/Niemeyer
Sperrklausel: 5 % landesweit
Mecklenburg-Vorpommern
5 Jahre71 Sitze · Wahlkreise (36)
🗳️ 2 Stimmen · Hare/Niemeyer
Sperrklausel: 5 % landesweit
Niedersachsen
5 Jahre135 Sitze · Wahlkreise (87)
🗳️ 2 Stimmen · d'Hondt
Sperrklausel: 5 % landesweit
Nordrhein-Westfalen
5 Jahre181 Sitze · Wahlkreise (128)
🗳️ 2 Stimmen · Sainte-Laguë
Sperrklausel: 5 % landesweit
Rheinland-Pfalz
5 Jahre101 Sitze · Wahlkreise (51)
🗳️ 2 Stimmen · Sainte-Laguë
Sperrklausel: 5 % landesweit
Saarland7
5 Jahre51 Sitze · Wahlkreise (–)
🗳️ 1 Stimme · d'Hondt
Sperrklausel: 5 % landesweit
Sachsen
5 Jahre120 Sitze · Wahlkreise (60)
🗳️ 2 Stimmen · Sainte-Laguë
Sperrklausel: 5 % oder 2 Direktmandate
Sachsen-Anhalt
5 Jahre83 Sitze · Wahlkreise (41)
🗳️ 2 Stimmen · Hare/Niemeyer
Sperrklausel: 5 % landesweit
Schleswig-Holstein8
5 Jahre69 Sitze · Wahlkreise (35)
🗳️ 2 Stimmen · Sainte-Laguë
Sperrklausel: 5 % oder 1 Direktmandat
Thüringen
5 Jahre88 Sitze · Wahlkreise (44)
🗳️ 2 Stimmen · Hare/Niemeyer
Sperrklausel: 5 % landesweit
Europawahl (dt. Sitze)
5 Jahre96 Sitze · Wahlkreise (–)
🗳️ 1 Stimme · Sainte-Laguë
Sperrklausel: keine
📊 Parlamentsgröße im Vergleich (Soll-Sitze ohne Überhang/Ausgleich)
- Bundestag630
- Nordrhein-Westfalen181
- Bayern180
- Niedersachsen135
- Berlin130
- Hamburg121
- Baden-Württemberg120
- Sachsen120
- Hessen110
- Rheinland-Pfalz101
- Brandenburg88
- Thüringen88
- Bremen87
- Sachsen-Anhalt83
- Mecklenburg-Vorpommern71
- Schleswig-Holstein69
- Saarland51
Gesetzliche Sollgröße; in vielen Ländern kann das Parlament durch Überhang- und Ausgleichsmandate größer ausfallen (siehe Fußnoten).
- 1Zweistimmensystem erst seit der Wahlrechtsreform 2022 (erstmals bei der Landtagswahl 2026): Zuvor gab es nur eine Stimme; die Zweitmandate gingen an die besten Wahlkreis-Verlierer statt an eine LandeslisteLandeslisteDie Bewerberliste einer Partei für ein Bundesland — ihr gilt die Zweitstimme. Die Reihenfolge legt die Partei in geheimer Abstimmung fest; am Wahltag ist die Liste starr, Wähler können sie nicht umsortieren. Nur Parteien dürfen Landeslisten einreichen (§ 27 BWahlG).Im Glossar nachlesen →.
- 2Bayerische Besonderheit Gesamtstimmen: Für die Sitzverteilung zählt die Summe aus Erst- und Zweitstimmen. Die Listen sind offen — die Zweitstimme geht an eine konkrete Person und kann die Listenreihenfolge verändern. Verteilt wird getrennt je Wahlkreis (= Regierungsbezirk); die 91 Ebenen mit Direktmandat heißen amtlich „Stimmkreise“.
- 3Berlin berechnet die Fünfprozenthürde als Anteil an den abgegebenen Stimmen einschließlich der ungültigen.
- 4Die Sperrklausel gilt nicht für Listen der Sorben/Wenden (Minderheitenschutz, vgl. MinderheitenklauselMinderheitenklauselAusnahme von der 5-%-Sperrklausel für Parteien anerkannter nationaler Minderheiten. In Deutschland greift sie für den SSW (dänische Minderheit + Friesen).Im Glossar nachlesen →).
- 5Fünf Stimmen, die frei verteilt werden können — kumulierenKumulieren (Häufeln)Bei Wahlen mit mehreren Stimmen kann der Wähler einem einzelnen Bewerber mehrere Stimmen geben — je nach Wahlgesetz meist bis zu drei, in Hamburg und Bremen bis zu fünf. Üblich bei Kommunalwahlen in den meisten Ländern; bei der Bundestagswahl nicht möglich.Im Glossar nachlesen → und panaschierenPanaschierenStimmen über Parteigrenzen hinweg vergeben: Bei Wahlen mit mehreren Stimmen kann der Wähler Bewerber verschiedener Listen ankreuzen. Verbreitet bei Kommunalwahlen und den Bürgerschaftswahlen in Hamburg und Bremen; bei der Bundestagswahl ausgeschlossen.Im Glossar nachlesen →. Die Hürde gilt getrennt für die Wahlbereiche Bremen und Bremerhaven; einzige vierjährige Wahlperiode.
- 6Je fünf Stimmen für die Landesliste und für die Wahlkreisliste (ebenfalls mit KumulierenKumulieren (Häufeln)Bei Wahlen mit mehreren Stimmen kann der Wähler einem einzelnen Bewerber mehrere Stimmen geben — je nach Wahlgesetz meist bis zu drei, in Hamburg und Bremen bis zu fünf. Üblich bei Kommunalwahlen in den meisten Ländern; bei der Bundestagswahl nicht möglich.Im Glossar nachlesen → und PanaschierenPanaschierenStimmen über Parteigrenzen hinweg vergeben: Bei Wahlen mit mehreren Stimmen kann der Wähler Bewerber verschiedener Listen ankreuzen. Verbreitet bei Kommunalwahlen und den Bürgerschaftswahlen in Hamburg und Bremen; bei der Bundestagswahl ausgeschlossen.Im Glossar nachlesen →); die 71 Wahlkreissitze werden in Mehrmandatswahlkreisen vergeben.
- 7Reine Listenwahl mit einer Stimme und ohne Direktmandate — neben Bremen das einzige Land ohne WahlkreiseWahlkreisGeographisch abgegrenztes Gebiet für die Erststimme bei der Bundestagswahl. Bundesweit 299 Wahlkreise. Je Wahlkreis wird ein direkter Abgeordneter gewählt (relative Mehrheit).Im Glossar nachlesen → mit Einzelbewerbung um ein DirektmandatDirektmandatMandat einer Kandidatin oder eines Kandidaten, der in einem Wahlkreis die meisten Erststimmen geholt hat. 299 Direktmandate werden bei der Bundestagswahl vergeben — eines pro Wahlkreis.Im Glossar nachlesen →.
- 8Die Sperrklausel gilt nicht für den SSW als Partei der dänischen Minderheit (MinderheitenklauselMinderheitenklauselAusnahme von der 5-%-Sperrklausel für Parteien anerkannter nationaler Minderheiten. In Deutschland greift sie für den SSW (dänische Minderheit + Friesen).Im Glossar nachlesen →).
Weitere Unterschiede: In sieben Ländern dürfen bereits 16-Jährige wählen (Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein) — bei der Bundestagswahl gilt Wahlalter 18. Die Ergebnisse und Trends aller Länder zeigt die Seite Landtagswahlen.
Zahlen der Übersicht: wahlrecht.de — Landtagswahlrecht im Vergleich (Zugriff 03.07.2026) · je Zeile die amtliche Landeswahlleitung (verlinkt). Eigene Formulierungen, keine Textübernahme.
Europawahl: eine Stimme, keine Sperrklausel
Die 96 deutschen Abgeordneten des Europäischen ParlamentsEuropäisches ParlamentDirekt gewählte Vertretung der EU-Bürgerinnen und -Bürger. 720 Abgeordnete (MEPs) aus den 27 Mitgliedstaaten, davon 96 aus Deutschland. Wahlperiode 5 Jahre. Sitz: Straßburg + Brüssel.Im Glossar nachlesen → werden alle fünf Jahre gewählt — zuletzt am 9. Juni 2024. Das System unterscheidet sich deutlich von Bundestags- und Landtagswahlen:
- Eine Stimme, starre Listen: Gewählt wird eine Bundes- oder Landesliste einer Partei; die Reihenfolge der Bewerber ist fest, es gibt keine Wahlkreise und keine Direktmandate.
- Keine Sperrklausel: Das Bundesverfassungsgericht erklärte 2011 die 5-%- und 2014 die 3-%-Hürde bei Europawahlen für nichtig; seit der Europawahl 2014 gibt es in Deutschland keine Hürde mehr. Deshalb ziehen auch Parteien mit weniger als einem Prozent der Stimmen ins Parlament ein.
- Sitzverteilung: Auch hier rechnet Deutschland nach Sainte-Laguë/SchepersSainte-Laguë/Schepers (Sitzzuteilung)Das Rechenverfahren, mit dem die Zweitstimmen in Sitze umgerechnet werden. Seit 2009 gilt bei der Bundestagswahl das Divisorverfahren Sainte-Laguë/Schepers — es benachteiligt weder kleine noch große Parteien systematisch.Im Glossar nachlesen →.
- Wahlalter 16: Seit der Europawahl 2024 dürfen in Deutschland auch 16- und 17-Jährige wählen.
Ergebnisse und Hintergründe: Europawahl · deutsche EU-Abgeordnete.
Quelle: Bundeswahlleiterin — Das Wahlsystem der Europawahl (Zugriff 03.07.2026). Eigene Darstellung.
Sainte-Laguë, d'Hondt, Hare/Niemeyer — was rechnet da eigentlich?
Stimmenanteile ergeben fast nie ganze Sitze — deshalb braucht jede Verhältniswahl ein Rundungsverfahren. Drei Methoden sind in Deutschland im Einsatz:
Sainte-Laguë/SchepersSainte-Laguë/Schepers (Sitzzuteilung)Das Rechenverfahren, mit dem die Zweitstimmen in Sitze umgerechnet werden. Seit 2009 gilt bei der Bundestagswahl das Divisorverfahren Sainte-Laguë/Schepers — es benachteiligt weder kleine noch große Parteien systematisch.Im Glossar nachlesen → — Divisoren 1, 3, 5, 7 …
Die Stimmenzahlen der Parteien werden der Reihe nach durch die ungeraden Zahlen geteilt; die Sitze gehen an die jeweils höchsten Ergebnisse. Gilt als besonders proporzgenau, weil es weder große noch kleine Parteien systematisch bevorzugt. Im Einsatz bei der Bundestagswahl (seit 2009), der Europawahl und in acht Ländern — darunter Bayern, Nordrhein-Westfalen und seit der jüngsten Reform auch Sachsen.
d'HondtD'Hondt-Verfahren (Sitzzuteilung)Divisorverfahren mit Abrundung: Die Stimmenzahlen der Parteien werden durch einen gemeinsamen Divisor geteilt, alle Nachkommastellen abgerundet. Bei Bundestagswahlen von 1949 bis 1983 angewandt; begünstigt tendenziell größere Parteien und wurde deshalb abgelöst.Im Glossar nachlesen → — Divisoren 1, 2, 3, 4 …
Gleiches Prinzip, aber mit allen ganzen Zahlen als Teiler. Das begünstigt tendenziell stimmenstarke Parteien, weil deren Ergebnisse langsamer „kleingeteilt“ werden. Bei Landtagswahlen nutzen es noch Niedersachsen und das Saarland; bei der Bundestagswahl galt es bis in die 1980er Jahre.
Hare/NiemeyerHare/Niemeyer-Verfahren (Sitzzuteilung)Quotenverfahren zur Sitzverteilung: Gesamtsitze mal Parteistimmen geteilt durch alle Stimmen ergibt den Idealanspruch; erst zählen die ganzen Zahlen, die Restsitze gehen an die größten Nachkommareste. Bei Bundestagswahlen 1987–2005 genutzt, seit 2009 gilt Sainte-Laguë/Schepers.Im Glossar nachlesen → — Quote + größte Reste
Statt Divisoren wird gerechnet: Stimmen der Partei geteilt durch alle Stimmen, mal Sitzzahl. Jede Partei erhält zunächst den ganzzahligen Anteil; die restlichen Sitze gehen an die größten Nachkommareste. Verwenden heute Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Bundestagswahl 2025, 629 zu verteilende Sitze: Links steht der rechnerische Anspruch mit Nachkommastellen — der Anteil an den Stimmen aller Parteien über der Hürde, mal der Zahl der Sitze. Rechts das, was nach dem Runden übrig bleibt. Einen halben Sitz gibt es nicht; genau diesen Rest muss ein Zuteilungsverfahren auflösen.
- CDU/CSU208,21208abgerundet
- AfD151,95152aufgerundet
- SPD119,81120aufgerundet
- Grüne84,7485aufgerundet
- Linke64,2964abgerundet
Nachgerechnet nach Sainte-Laguë/Schepers stimmt die Zuteilung bei 5 von 5 Parteien mit der amtlichen Sitzzahl überein. Die Rundung allein erklärt die Sitzverteilung dieser Wahl also vollständig — ohne dass man die zweite Stufe des Verfahrens kennen müsste.
Grundlage: amtliche Zweitstimmenanteile und Sitzzahlen der Bundeswahlleiterin. Gerechnet wird die Oberverteilung — der Schritt von den Stimmenanteilen zu den Sitzen je Partei. Die anschließende Verteilung auf die Landeslisten ist darin nicht enthalten. Gerundet wird kaufmännisch: ab einem Rest von 0,5 aufwärts. Damit die Summe genau aufgeht, wird der Teiler so lange verschoben, bis die zugeteilten Sitze zusammen die vorgegebene Zahl ergeben. amtliche Ergebnisse
Rechenhilfe zum Ausprobieren: Bei 1.000 Stimmen und 10 Sitzen bekäme eine Partei mit 55 % nach Sainte-Laguë wie nach Hare/Niemeyer 5 bis 6 Sitze — die Verfahren unterscheiden sich erst bei den letzten, knappen Sitzen. Genau dort entscheiden sie aber mit, ob ein Mandat an eine große oder eine kleine Partei geht.
Verfahren je Parlament: wahlrecht.de — Landtagswahlrecht · Bundeswahlleiterin — Glossar (Zugriff 03.07.2026). Eigene, vereinfachte Erklärung.
Vertiefung: alle Fachbegriffe im Glossar, Termine und Ergebnisse unter Wahlen und Landtagswahlen.
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Häufige Fragen zum politischen System
Wie entsteht ein Gesetz in Deutschland?
Ein Bundesgesetz durchläuft 8 Stationen: Eingebracht wird der Entwurf von der Bundesregierung, dem Bundesrat oder aus der Mitte des Bundestages; es folgen drei Lesungen und die Ausschussberatung im Bundestag, die Mitentscheidung des Bundesrats, die Ausfertigung durch den Bundespräsidenten und die Verkündung im Bundesgesetzblatt. Den ganzen Weg zeigt der Tab „Wie ein Gesetz entsteht"; welche Gesetze gerade laufen, steht unter Parlamentsarbeit.
Was ist der Unterschied zwischen Zustimmungs- und Einspruchsgesetz?
Zustimmungsgesetze betreffen die Länder besonders — etwa ihre Finanzen oder ihre Verwaltung. Hier muss der BundesratBundesratVerfassungsorgan, in dem die 16 Bundesländer auf Bundesebene mitwirken. 69 Stimmen, je Land 3–6 Stimmen abhängig von der Bevölkerungsgröße. Wirkt bei zustimmungspflichtigen Gesetzen mit.Im Glossar nachlesen → ausdrücklich zustimmen, sonst scheitert das Gesetz. Bei Einspruchsgesetzen kann der Bundesrat zwar Einspruch einlegen, der Bundestag kann ihn aber mit entsprechender Mehrheit zurückweisen. Bei Streit vermittelt der VermittlungsausschussVermittlungsausschussGemeinsames Gremium aus 16 Bundestagsabgeordneten und 16 Bundesratsmitgliedern. Wird angerufen, wenn Bundestag und Bundesrat sich bei einem zustimmungspflichtigen Gesetz nicht einig sind.Im Glossar nachlesen →.
Was ist der Unterschied zwischen Erststimme und Zweitstimme?
Die Erststimme gilt einer Person im Wahlkreis — wer dort die meisten Erststimmen holt, gewinnt das Direktmandat. Die Zweitstimme gilt einer Partei (Landesliste); ihr bundesweiter Anteil bestimmt, wie viele Sitze eine Partei im Bundestag erhält — für die Mehrheitsverhältnisse ist sie damit die entscheidende Stimme. Alle 7 Schritte samt Stimmzettel-Schaubild zeigt der Tab „Bundestagswahl".
Wann zieht eine Partei in den Bundestag ein?
Wenn sie mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen oder drei Direktmandate erreicht (Grundmandatsklausel). Ausgenommen sind Parteien nationaler Minderheiten wie der SSW — für sie gilt die 5-%-HürdeSperrklausel (5-%-Hürde)Eine Partei zieht nur in den Bundestag ein, wenn sie bundesweit mindestens 5 % der Zweitstimmen erhält ODER mindestens drei Direktmandate gewinnt. Ziel: Zersplitterung des Parlaments verhindern.Im Glossar nachlesen → nicht (§ 4 Abs. 2 Satz 3 BWahlG).
Wie wird der Bundeskanzler gewählt?
Nicht direkt vom Volk: Nach der Wahl loten die Parteien in Sondierungen und Koalitionsverhandlungen eine Mehrheit aus. Dann wählt der Bundestag den Kanzler mit der Mehrheit seiner Mitglieder (KanzlermehrheitKanzlermehrheitDie Mehrheit der Mitglieder des Bundestages (absolute Mehrheit nach Art. 121 GG) — nötig zur Wahl des Bundeskanzlers (Art. 63 GG) und für ein konstruktives Misstrauensvotum (Art. 67 GG). Im 21. Bundestag (630 Sitze): mindestens 316 Stimmen.Im Glossar nachlesen →); der Bundespräsident ernennt ihn und auf seinen Vorschlag die Minister. Alle 7 Schritte zeigt der Tab „Regierungsbildung".
Siehe auch
Politik-Begriffe — kurz erklärt mit amtlicher Quelle.
Bundestag, Bundesrat, 16 Landtage — Mandate und Strukturen.
Der Themen- & Daten-Hub: Politikfelder mit belegten Kennzahlen — plus Deutschland in Zahlen (BIP, Inflation, Arbeitsmarkt, Staatsschulden) im EU-Vergleich (Eurostat).
Die acht Parteien mit bundesweiter Bedeutung plus SSW (Sitze, Wahlprogramme, Finanzen) sowie Schlüsselpersonen, Regierung, Länder und Werkzeuge zu den Abgeordneten.