Zum Inhalt springen

← Wissen

🎓 Wissen · Wahlsysteme

Wahlsysteme im Vergleich

Bundestag, 16 Landtage, Europäisches Parlament: überall Verhältniswahl — und doch dreimal grundverschieden. Wie die Bundestagswahl seit der Reform 2023 funktioniert, was die Länder anders machen (Bayerns Gesamtstimmen, Bremens fünf Stimmen, d'Hondt im Saarland) und warum bei der Europawahl keine Sperrklausel gilt — mit amtlicher Quelle je Zeile.

Bundestagswahl seit der Reform 2023

Die Wahlrechtsreform 2023 hat das Bundestagswahlrecht grundlegend umgebaut — erstmals angewandt bei der Wahl am 23. Februar 2025. Der Bundestag hat seitdem fest 630 Sitze; Überhangmandate und Ausgleichsmandate sind abgeschafft.

So funktioniert der Stimmzettel (Schema)

1Zweitstimmen zählen

bundesweit je Partei (5-%-Hürde)

2630 Sitze verteilen

nach Sainte-Laguë auf Parteien & Landeslisten

3Wahlkreissieger einziehen

nur mit Zweitstimmendeckung — sonst bleibt der Sitz unbesetzt

  • Zwei Stimmen wie bisher: Die Erststimme gilt einer Person in einem der 299 Wahlkreise, die Zweitstimme einer Landesliste. Allein die Zweitstimmen bestimmen, wie viele Sitze eine Partei erhält.
  • Neu — die Zweitstimmendeckung: Wer seinen Wahlkreis gewinnt, zieht nur dann ein, wenn der Sitz durch das Zweitstimmenergebnis seiner Partei gedeckt ist. Die am knappsten gewonnenen Wahlkreise einer Partei können daher unbesetzt bleiben.
  • Sitzberechnung: Die 630 Sitze werden nach Sainte-Laguë/Schepers verteilt — erst auf die Parteien, dann auf deren Landeslisten (Ober- und Unterverteilung).
  • Hürden: Es gilt die 5-%-Sperrklausel; wer mindestens drei Wahlkreise gewinnt, ist über die Grundmandatsklausel ausgenommen. Die Reform wollte diese Klausel streichen — das Bundesverfassungsgericht ordnete im Urteil vom 30. Juli 2024 ihre Fortgeltung an, bis der Gesetzgeber die Sperrklausel neu regelt.

Umstritten: die Zweitstimmendeckung — zwei Sichtweisen

Reformziel

Überhang- und Ausgleichsmandate hatten den Bundestag zuletzt auf 736 Sitze (2021) anwachsen lassen. Die feste Größe von 630 Sitzen soll das Parlament verkleinern und die Sitzzahl wieder planbar an die Zweitstimmen binden.

Kritik

Wer seinen Wahlkreis direkt gewinnt, kann seit der Reform ohne Mandat bleiben, wenn das Zweitstimmenergebnis der Partei den Sitz nicht deckt — aus Sicht der Kritik eine Schwächung der direkten Wahlkreis-Vertretung.

Das Bundesverfassungsgericht erklärte die Zweitstimmendeckung im Urteil vom 30. Juli 2024 für verfassungsgemäß — der Wahlkreissieg begründet danach keinen verfassungsrechtlichen Anspruch auf einen Sitz. BVerfG, Urteil vom 30.07.2024 – 2 BvF 1/23 ↗

Bundestagswahlrecht vor und seit der Reform 2023
 Vor der ReformSeit der Reform 2023
GrößeRegelgröße 598, durch Überhang und Ausgleich zuletzt 736 Sitze (2021)Fest 630 Sitze
WahlkreissiegDirektmandat garantiertNur mit Zweitstimmendeckung
Überhang/AusgleichJaAbgeschafft
Sperrklausel5 % oder 3 Direktmandate5 % oder 3 Direktmandate (Grundmandatsklausel per BVerfG-Urteil vorerst weiter in Kraft)

Quellen: Bundeswahlleiterin — Das Wahlsystem (Bundestagswahl 2025) · Bundeswahlgesetz (gesetze-im-internet.de) (Zugriff 03.07.2026). Eigene Darstellung.

Vertiefung: alle Fachbegriffe im Glossar, die Abläufe der Bundestagswahl Schritt für Schritt unter Wissen, Termine und Ergebnisse unter Wahlen und Landtagswahlen.

Demokratie lebt vom Mitmachen

Echte Demokratie lebt vom Mitmachen.

Von der Kontrolle der Politiker über das Engagement jedes Einzelnen bis zum konkreten Aktivwerden — jede Stimme zählt.

Wenn dir das Projekt und meine Arbeit gefallen, dann unterstütze mich.

PolitikCheck ist werbefrei, ohne Tracker und unabhängig — das bleibt nur mit deiner Hilfe so. Schon Weitersagen hilft.

Projekt unterstützen →

Politisch neutral

Keine Wahlempfehlung, keine Wertung — Fakten mit Quellen.

Belegte Quellen

Direkte Links und nachvollziehbare Inhalte.

Infos und Fakten

Statt Haltung und Einordnung.

Werbefrei

Keine Tracker, keine Sponsoren, kein Bezahlinhalt.