Was der Kompass misst
Der PolitikCheck-Kompass beantwortet eine einfache Frage mit belegten Mitteln: Wo genau stehen die Parteien? Dazu sind aus den Wahlprogrammen sechs große Politikfelder abgeleitet — von Wirtschaft und Sozialem über Klima und Migration bis zu Außen- und Gesellschaftspolitik. In jedem Feld steht eine Reihe von Leitfragen, und für jede Frage bekommt jede Partei eine Position auf einer Skala von einem Pol zum anderen.
Diese Positionen lassen sich auf vier Weisen ansehen. Das Radar-Profil legt die sechs Felder einer Partei als Netz übereinander — man sieht auf einen Blick, wo ihre Schwerpunkte liegen. Die 2D-Ansicht ist die vertraute Kompass-Karte, eine Vereinfachung des Radars auf zwei Achsen. Der Selbsttest dreht die Perspektive um: Du beantwortest selbst eine Auswahl der Leitfragen und siehst, welchen Partei-Positionen deine Antworten am nächsten kommen. Und die Programm-Gegenprobe stellt der Wahl-O-Mat-Selbstauskunft das gegenüber, was im Programm derselben Partei tatsächlich steht.
Der Thesen-Check im Wahl-O-Mat-Stil und der Kompass wohnen bewusst auf derselben Seite: Es sind zwei Blicke auf dieselbe Frage, und sie ergänzen sich. Wer den vertrauten Thesen-Check kennt, findet ihn dort als eigenen Tab.
Warum die Wahlprogramme — und nicht ein Fragebogen
Der bekannte Wahl-O-Mat beruht auf der Selbstauskunft der Parteien: Sie kreuzen zu vorgegebenen Thesen an, wie sie stehen. Das ist wertvoll, hat aber eine Grenze — es ist das, was eine Partei im Wahlkampf über sich selbst angibt. Der Kompass geht den umgekehrten Weg. Seine Grundlage ist das vollständige Wahlprogramm, das eine Partei beschlossen und veröffentlicht hat.
Der entscheidende Unterschied steht an jeder einzelnen Position: Sie ist mit einem wörtlichen Zitat aus dem Programm samt Seitenzahl hinterlegt, und dieses Zitat wird maschinell gegen die Programm-PDF geprüft. Man muss also nicht glauben, dass eine Partei ein bestimmtes Feld so besetzt — man kann die Stelle nachlesen. Genau das ist der Anspruch: nicht die schnellste, sondern die am besten belegte Einordnung.
Daraus folgt auch, wie mit Lücken umgegangen wird. Behandelt ein Programm eine Leitfrage schlicht nicht, wird die Position nicht geschätzt und nicht aus der Parteilinie abgeleitet — das Feld bleibt leer. Und wo ein Politikfeld zu dünn belegt ist, wird für dieses Feld gar kein Wert berechnet. Eine fehlende Zahl ist hier ehrlicher als eine erfundene.
Was der Kompass bewusst nicht tut
Ein Kompass zeigt eine Richtung, er trifft keine Entscheidung. Der PolitikCheck-Kompass gibt keine Wahlempfehlung und wertet keine Position als besser oder schlechter. Alle Parteien werden nach demselben Schema und mit denselben Leitfragen behandelt; die Skala beschreibt eine Richtung, nicht einen Rang.
Ebenso wenig behauptet der Kompass, das ganze Bild zu sein. Er misst, was in den Programmen steht — nicht, wie eine Partei später im Parlament abstimmt, wie glaubwürdig ein Versprechen ist oder ob es umgesetzt wird. Wer wissen will, wie tatsächlich abgestimmt wurde, findet das bei uns unter den namentlichen Abstimmungen; wie stark eine Partei über alle Ebenen hinweg verankert ist, zeigt der Volkspartei-Index.
Das Ergebnis des Selbsttests schließlich ist eine Nähe zu Positionen, nicht zu Personen. Es ist ein Anfang für die eigene Auseinandersetzung, kein Ersatz dafür. Der nächste Schritt gehört den Menschen, die diese Positionen vertreten — man kann sie direkt ansprechen.
Wie der Kompass aktuell bleibt
Ein Wahlprogramm ist ein Beschluss zu einem Zeitpunkt, aber Politik steht nicht still. Der Kompass wird deshalb weiter gepflegt: Neue Parteitagsbeschlüsse werden laufend mit dem jeweils letzten Wahlprogramm abgeglichen. Ersetzt ein Beschluss eine Programmposition, wird die Position mit dem Beschluss als Quelle aktualisiert und entsprechend gekennzeichnet — die Belegkette bleibt also lückenlos, auch wenn sich eine Haltung ändert.
Auch der Fragenpool wächst. Je mehr Leitfragen sauber aus den Programmen belegt sind, desto feiner wird das Bild und desto mehr Fragen kann der Selbsttest ziehen. Der Grundsatz bleibt dabei unverändert: Es kommt nur hinein, was sich mit einer Stelle im Programm belegen lässt. Fällt ein Beleg weg, fällt die Zahl weg — nicht umgekehrt.