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📖 Parteien erklärt

Die AfD — was die Partei ist, wo sie sitzt und wie sie aufgebaut ist

Begriff aus dem PolitikCheck-Glossar · Kategorie Parteien · 10 Minuten Lesezeit

Kurz zusammengefasst

  • Die AfD wurde 2013 gegründet und ist damit die jüngste der im Bundestag vertretenen Parteien. Bei ihrer ersten Bundestagswahl 2013 scheiterte sie mit 4,7 % an der Fünf-Prozent-Hürde.
  • Bei der Bundestagswahl 2025 kam sie auf 20,8 % der Zweitstimmen und 152 von 630 Sitzen — das stärkste Ergebnis ihrer bisher 4 Teilnahmen.
  • In den Ländern ist das Bild sehr unterschiedlich: In 14 von 16 Landtagen sitzt eine AfD-Fraktion, mit Sitzanteilen zwischen 5,6 % und 36,4 %. In Bremen und Schleswig-Holstein ist sie derzeit nicht vertreten.
  • Mit 73.108 Mitgliedern (2025) ist sie gemessen an der Mitgliederzahl die Nummer 6 unter den 10 hier erfassten Parteien — deutlich kleiner, als ihr Wahlergebnis vermuten lässt. Mitgliederzahl und Stimmenanteil hängen nicht zusammen.
  • Dieser Artikel beschreibt Aufbau, Zahlen und Verfahren. Er bewertet die Partei nicht und gibt ihre inhaltlichen Positionen nicht wieder — dafür gibt es den PolitikCheck-Kompass, der alle Parteien nach demselben Schema erfasst.

Was die AfD ist — die Eckdaten

Die Alternative für Deutschland, kurz AfD, ist eine im Jahr 2013 gegründete politische Partei. Sie ist damit die jüngste unter den Parteien, die heute eine Fraktion im Bundestag stellen — die anderen bestehen zwischen einigen Jahrzehnten und deutlich über einem Jahrhundert.

Rechtlich ist die AfD dasselbe wie jede andere Partei in Deutschland: ein Zusammenschluss von Bürgern, der sich an Wahlen beteiligt. Was eine Partei ist, welche Rechte sie hat und welche Pflichten, regelt das Parteiengesetz zusammen mit Artikel 21 Grundgesetz. Danach müssen alle Parteien demokratisch aufgebaut sein, über ihre Finanzen öffentlich Rechenschaft ablegen und dürfen nur vom Bundesverfassungsgericht verboten werden — von niemandem sonst.

Wie jede Partei besteht die AfD aus mehreren Ebenen: einem Bundesverband, Landesverbänden in allen Bundesländern und darunter Kreis- und Ortsverbänden. Diese Struktur ist kein Zufall, sondern folgt aus dem föderalen Aufbau der Bundesrepublik: Weil in Deutschland Bund, Länder und Kommunen getrennt gewählt werden, brauchen Parteien auf jeder dieser Ebenen eigene Gliederungen, die dort Kandidaten aufstellen.

Wer aktuell den Bundesvorstand bildet und wie die Landesverbände zu erreichen sind, steht auf unserer laufend gepflegten Profilseite zur AfD. Personen wechseln; dieser Artikel beschreibt deshalb die Strukturen und die Zahlen, nicht die aktuelle Besetzung.

Die AfD bei den Bundestagswahlen

Bei einer Bundestagswahl zählt für die Sitzverteilung die Zweitstimme. Sie entscheidet, wie viele der Sitze im Bundestag auf eine Partei entfallen. Die AfD ist bisher 4-mal zu einer Bundestagswahl angetreten.

Beim ersten Antritt 2013 erreichte die Partei 4,7 % — und damit weniger als die fünf Prozent, die für den Einzug nötig sind. Sie erhielt keinen einzigen Sitz. Das ist der praktische Kern der Fünf-Prozent-Hürde: Ein Ergebnis knapp darunter und ein Ergebnis knapp darüber liegen statistisch dicht beieinander, in Sitzen aber Welten auseinander.

Bei der jüngsten Bundestagswahl 2025 kam die AfD auf 20,8 % der Zweitstimmen. Daraus wurden 152 von 630 Sitzen. Dass der Sitzanteil größer ist als der Stimmenanteil, ist kein Vorteil dieser Partei, sondern gilt für alle Parteien im Parlament: Die Stimmen, die an der Hürde scheitern, werden auf die verbliebenen Parteien verteilt. Wie dieser Rechenschritt funktioniert, erklärt der Artikel zum Zuteilungsverfahren.

Zwischen den beiden Werten liegen zwei weitere Wahlen, bei denen die Partei einmal zulegte und einmal verlor. Die Grafik zeigt alle vier Ergebnisse nebeneinander — bewusst ohne die Umfragewerte dazwischen, denn eine Umfrage ist eine Momentaufnahme, ein Wahlergebnis ist eine Auszählung.

Die AfD bei den Bundestagswahlen

Zweitstimmenanteil bei jeder Bundestagswahl seit 2013 — davor gab es die Partei nicht. Rechts die Sitze, die daraus wurden.

  • 20134,7 %keine Sitze
  • 201712,6 %94 von 709
  • 202110,3 %83 von 736
  • 202520,8 %152 von 630

Bei der ersten Teilnahme 2013 kam die Partei auf 4,7 % und blieb damit ohne Sitz — das einzige Mal in dieser Reihe. Zuletzt (2025) waren es 20,8 % und 152 von 630 Sitzen.

Grundlage: endgültige amtliche Zweitstimmen-Ergebnisse der Bundeswahlleiterin, wie sie auch den Wahlseiten zugrunde liegen. Gezeigt ist der Zweitstimmenanteil, nicht die Erststimme. Die Sitzzahl ist die tatsächliche Fraktionsstärke nach der Wahl, vor späteren Wechseln. Der Wert 2013 lag unter der Fünf-Prozent-Hürde; die Partei zog nicht in den Bundestag ein. amtliche Ergebnisse

Warum die Fraktion heute kleiner ist als das Wahlergebnis

Eine Zahl in diesem Artikel weicht von einer anderen ab, und das ist kein Fehler. Bei der Wahl 2025 entfielen 152 Sitze auf die AfD. In unserem laufend aktualisierten Abgeordnetenverzeichnis sind der Fraktion aktuell 150 Abgeordnete zugeordnet.

Der Grund dafür ist ein Grundprinzip des deutschen Parlamentsrechts: Ein Mandat gehört dem gewählten Abgeordneten persönlich, nicht der Partei. Verlässt jemand die Fraktion oder die Partei, nimmt er den Sitz mit und arbeitet als fraktionsloser Abgeordneter weiter. Der Sitz fällt nicht an die Partei zurück und wird auch nicht neu besetzt.

Das folgt aus Artikel 38 Grundgesetz, wonach Abgeordnete „an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen" sind — das sogenannte freie Mandat. Es gilt für jede Fraktion gleichermaßen; Wechsel und Austritte hat es in praktisch jeder Wahlperiode und in praktisch allen Fraktionen gegeben.

Praktisch heißt das: Wer die Größe einer Fraktion wissen will, darf nicht das Wahlergebnis nachschlagen, sondern muss den aktuellen Stand zählen. Beides ist richtig — es beantwortet nur verschiedene Fragen. Deshalb stehen bei uns beide Zahlen, jeweils mit dem Hinweis, worauf sie sich beziehen.

  • Wahlergebnis

    Die Sitze, die eine Partei am Wahlabend gewonnen hat — 152 bei der Wahl 2025. Diese Zahl ändert sich nie mehr, sie ist Geschichte.

  • Fraktionsstärke heute

    Die Abgeordneten, die der Fraktion aktuell angehören — derzeit 150. Diese Zahl kann sich jede Woche ändern.

  • Warum das zählt

    Von der Fraktionsstärke hängen Redezeiten, Ausschusssitze und Mittel ab. Eine Fraktion muss außerdem eine Mindestgröße erreichen, sonst verliert sie diese Rechte.

Die AfD in den Landtagen — 16 sehr verschiedene Bilder

Wer nur auf den Bund schaut, übersieht die größere Geschichte. Deutschland ist ein Bundesstaat: Jedes Land hat ein eigenes Parlament, ein eigenes Wahlrecht und einen eigenen Wahltermin. Eine Partei kann deshalb im Bund einen Wert haben und in den Ländern sechzehn ganz verschiedene.

Bei der AfD ist diese Spreizung besonders groß. In 14 von 16 Landtagen sitzt eine AfD-Fraktion. Der höchste Sitzanteil liegt bei 36,4 % (Thüringen), der niedrigste bei 5,6 % (Nordrhein-Westfalen) — ein Unterschied um mehr als das Sechsfache zwischen zwei Parlamenten derselben Republik.

In Bremen und Schleswig-Holstein ist die Partei derzeit nicht im Landtag vertreten. Dabei ist ein Punkt wichtig, den die Grafik ausdrücklich nennt: Die Landtage wurden zu verschiedenen Zeitpunkten gewählt, teils Jahre auseinander. Die Reihe ist deshalb kein Stimmungsbild eines Stichtags, sondern eine Momentaufnahme von sechzehn Wahlen aus mehreren Jahren. Wer wissen will, wie eine Partei in einem Land heute stünde, muss die Landesumfragen ansehen — nicht die Sitzverteilung.

Auch die Landtagswahlrechte unterscheiden sich je Bundesland. Die Parlamentsgrößen reichen von wenigen Dutzend bis über zweihundert Sitze, und nicht überall gilt dieselbe Hürde oder dasselbe Zuteilungsverfahren. Genau deshalb steht in der Grafik der Sitzanteil und nicht die nackte Sitzzahl: 30 Sitze bedeuten in einem kleinen Landtag etwas völlig anderes als in einem großen.

Die AfD in den Landtagen

Anteil an allen Sitzen des jeweiligen Landtags, absteigend. In Klammern der Platz nach Fraktionsstärke in diesem Landtag.

  • Thüringen (1.)36,4 %32/88
  • Brandenburg (2.)34,1 %30/88
  • Sachsen (2.)33,3 %40/120
  • Rheinland-Pfalz (3.)22,9 %24/105
  • Sachsen-Anhalt (2.)22,7 %22/97
  • Baden-Württemberg (3.)22,3 %35/157
  • Hessen (2.)18,8 %25/133
  • Mecklenburg-Vorpommern (2.)17,7 %14/79
  • Bayern (3.)15,8 %32/203
  • Niedersachsen (4.)10,3 %15/146
  • Berlin (5.)10,1 %16/159
  • Hamburg (5.)7,4 %9/121
  • Saarland (3.)5,9 %3/51
  • Nordrhein-Westfalen (5.)5,6 %11/195

Vertreten in 14 von 16 Landtagen. Nicht vertreten in Bremen (zuletzt gewählt 2023) und Schleswig-Holstein (zuletzt gewählt 2022).

Grundlage: gezählte Mandate der jeweils laufenden Wahlperiode aus abgeordnetenwatch.de (Open Data, CC0). Die Landtage haben unterschiedliche Größen und wurden zu verschiedenen Zeitpunkten gewählt — deshalb ist der Sitzanteil angegeben und nicht die nackte Sitzzahl. Reine Auszählung, keine Wertung. Die Landtage wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten gewählt; die Reihe ist deshalb kein Stimmungsbild eines Stichtags. alle Landtage

Wie viele Mitglieder die AfD hat

Zum Jahresende 2025 zählte die AfD 73.108 Mitglieder. Zum Vergleich: Bei der Gründung im Jahr 2013 waren es 17.700. Das ist ein Zuwachs um rund 313 % über den gesamten Zeitraum.

Gemessen an der Mitgliederzahl steht die Partei damit unter den 10 hier erfassten Parteien auf Platz 6. Die mitgliederstärksten Parteien in Deutschland zählen ein Vielfaches — und schneiden bei Wahlen zum Teil schwächer ab.

Dieser scheinbare Widerspruch ist normal und für das Verständnis von Parteien zentral: Mitgliederzahl und Wahlergebnis messen völlig verschiedene Dinge. Ein Mitglied zahlt Beiträge, darf über Kandidaten und Programme mitentscheiden und bindet sich langfristig. Ein Wähler trifft eine Entscheidung an einem einzigen Tag, anonym, ohne jede Bindung. Über 60 Millionen Menschen sind in Deutschland wahlberechtigt; Parteimitglied ist nur ein kleiner Bruchteil davon.

Für die Partei selbst hat die Mitgliederzahl trotzdem praktische Folgen. Mitglieder zahlen Beiträge, stellen die Kandidaten auf Kreis- und Landesebene und tragen den Wahlkampf vor Ort. Wer wenige Mitglieder hat, muss mehr über Kampagnen und Medien arbeiten und weniger über persönliche Präsenz in der Fläche — das gilt unabhängig davon, um welche Partei es geht.

  • Mitglied ist nicht Wähler

    Alle Parteien in Deutschland zusammen haben deutlich weniger als zwei Millionen Mitglieder, bei über 60 Millionen Wahlberechtigten. Parteimitgliedschaft ist überall die Ausnahme.

  • Zahlen sind Selbstauskünfte

    Anders als Wahlergebnisse sind Mitgliederzahlen nicht amtlich. Jede Partei meldet sie selbst, und Austritte werden unterschiedlich schnell gebucht. Für grobe Größenordnungen taugen sie, für Vergleiche auf hundert Mitglieder genau nicht.

  • Verankerung vor Ort

    Wie stark eine Partei kommunal verankert ist, zeigt sich an Spitzenämtern. In unserer Auswertung entfallen auf die AfD 1 der Landratsämter und 0 der Oberbürgermeisterposten in den erfassten Großstädten. Über Mandate in Kreistagen und Gemeinderäten sagt das nichts — die zählt diese Auswertung nicht.

Wie viele Mitglieder die AfD hat

Mitglieder der Partei zum jeweiligen Jahresende, seit der Gründung.

  • 201317.700
  • 201521.900
  • 201729.400
  • 202032.000
  • 202340.100
  • 202451.300
  • 202573.108

Von 17.700 (2013) auf 73.108 (2025) — ein Zuwachs von 313 %. Im Vergleich aller 10 hier erfassten Parteien ist das Platz 6; die mitgliederstärkste Partei (CDU) zählt 356.769.

Grundlage: Mitgliederzahlen aus den Geschäftsberichten der Parteien, quergeprüft gegen die Zeitreihe zur Mitgliederentwicklung der deutschen Parteien. Mitgliederzahlen sind Selbstauskünfte der Parteien — sie sind nicht amtlich und untereinander nur eingeschränkt vergleichbar, weil die Parteien Austritte unterschiedlich schnell buchen. Mitgliederzahl und Wahlergebnis hängen nicht zusammen — eine Partei kann viele Wähler und wenige Mitglieder haben und umgekehrt. Partei-Profile

Wie sich die Partei finanziert

Parteien in Deutschland finanzieren sich aus drei Quellen: Mitgliedsbeiträgen, Spenden und der staatlichen Teilfinanzierung. Die Regeln dafür stehen im Parteiengesetz und gelten für alle Parteien gleich — der Artikel zur Parteienfinanzierung erklärt sie im Einzelnen.

Entscheidend ist der Grundgedanke der staatlichen Mittel: Sie folgen dem Erfolg bei Wahlen und den selbst erwirtschafteten Einnahmen. Wer mehr Stimmen holt und mehr Beiträge und Spenden einwirbt, bekommt mehr — bis zu einer gesetzlichen Obergrenze für alle Parteien zusammen. Dieses Prinzip soll verhindern, dass der Staat entscheidet, welche Partei sich Wahlkampf leisten kann.

Für das Berichtsjahr 2024 weist die amtliche Rechenschaftslegung für die AfD Gesamteinnahmen von 36.342.978 Euro aus. Diese Berichte sind für alle Parteien verpflichtend und werden als Bundestagsdrucksache veröffentlicht; sie sind damit die belastbarste Quelle zu Parteifinanzen, die es gibt. Die Zahlen aller Parteien nebeneinander stehen auf unserer Seite zu Parteispenden und Parteifinanzen.

Ein Sonderfall betrifft die parteinahen Stiftungen. Sie sind rechtlich von den Parteien getrennt, erhalten aber erhebliche öffentliche Mittel für politische Bildung. Über die Voraussetzungen dafür wird seit Jahren gestritten, und der Gesetzgeber hat dazu eigene Regelungen geschaffen. Was eine parteinahe Stiftung ist und wie sie finanziert wird, steht im entsprechenden Glossareintrag.

Verfassungsschutz: was die Einstufungen bedeuten

Kaum ein Thema wird im Zusammenhang mit Parteien häufiger gesucht und häufiger missverstanden als die Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Deshalb hier zuerst, was die Begriffe überhaupt bedeuten — unabhängig davon, um welche Organisation es geht.

Der Verfassungsschutz ist kein Gericht und keine Polizei. Es sind Inlandsnachrichtendienste: das Bundesamt für Verfassungsschutz und 16 Landesämter, die jeweils eigenständig arbeiten. Ein Landesamt kann deshalb zu einer anderen Einschätzung kommen als das Bundesamt oder ein anderes Land — das ist kein Widerspruch, sondern Folge des föderalen Aufbaus.

Die Behörden arbeiten mit abgestuften Einstufungen, die keine Etiketten sind, sondern über Befugnisse entscheiden. Beim bloßen Prüffall darf im Wesentlichen öffentlich zugängliches Material ausgewertet werden. Erst ab dem Verdachtsfall sind nachrichtendienstliche Mittel zulässig, etwa Vertrauensleute oder Observation. Voraussetzung sind tatsächliche Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung — nicht bloße Vermutungen. Was dabei unter Extremismus verstanden wird, ist ein behördlicher Fachbegriff mit einer eigenen Definition.

Wichtig ist zweierlei. Erstens: Jede Einstufung ist gerichtlich überprüfbar. Betroffene Organisationen können vor den Verwaltungsgerichten dagegen vorgehen, und mehrere solcher Verfahren haben die Anforderungen an die Tatsachengrundlage präzisiert. Zweitens: Eine Einstufung ist kein Verbot und hat mit einem Verbot rechtlich nichts zu tun. Über ein Parteiverbot entscheidet nach Artikel 21 Grundgesetz allein das Bundesverfassungsgericht — auf Antrag von Bundestag, Bundesrat oder Bundesregierung und nach sehr strengen Maßstäben.

Politisch heikel ist die Einstufung gerade bei Parteien, und der Grund dafür ist strukturell: Der Verfassungsschutz untersteht der Exekutive, und die wird von Parteien gestellt, die im Wettbewerb mit der eingestuften Partei stehen. Genau deshalb ist die gerichtliche Kontrolle hier besonders bedeutsam.

Warum die stärkste Oppositionsfraktion nicht automatisch regiert

Eine Frage, die nach jeder Wahl gestellt wird: Warum bildet nicht die zweitstärkste oder stärkste Partei einfach die Regierung? Die Antwort steckt in der Mechanik des Grundgesetzes und gilt für jede Partei gleich.

Der Bundeskanzler wird nach Artikel 63 Grundgesetz vom Bundestag gewählt, nicht vom Volk. Nötig ist dafür die sogenannte Kanzlermehrheit — die Mehrheit aller Mitglieder des Bundestages, nicht nur der Anwesenden. Wer diese Mehrheit organisieren kann, stellt den Kanzler. Der Stimmenanteil bei der Wahl ist dafür nur der Ausgangspunkt.

In Deutschland erreicht seit Jahrzehnten keine einzelne Partei allein diese Mehrheit. Regierungen entstehen deshalb durch Koalitionen: Zwei oder mehr Fraktionen verhandeln einen Koalitionsvertrag und tragen gemeinsam den Kanzler. Ob eine Partei Teil einer Regierung wird, hängt damit nicht allein von ihrer Größe ab, sondern davon, ob sich eine Mehrheit findet, die mit ihr zusammenarbeiten will.

Wer nicht mitregiert, bildet die Opposition. Deren Rolle ist im parlamentarischen System keine Nebenrolle: Sie kontrolliert die Regierung, kann Akteneinsicht und Auskunft verlangen, Untersuchungsausschüsse beantragen und Gesetze einbringen. Ein Teil dieser Rechte steht ausdrücklich Minderheiten zu, damit die Mehrheit sie nicht abschalten kann. Welche Instrumente das im Einzelnen sind, zeigt unsere Seite zu den parlamentarischen Instrumenten.

Umfragen zur AfD richtig lesen

Kaum ein Suchbegriff zu dieser Partei wird häufiger eingegeben als die Kombination aus Parteiname und „Umfrage". Für alle Umfragewerte gilt dasselbe wie für jede andere Partei — der Artikel zur Sonntagsfrage erklärt es ausführlich, hier das Wichtigste in Kürze.

Eine Umfrage ist keine Wahlprognose, sondern eine Momentaufnahme. Sie beruht auf rund 1.000 bis 2.000 Befragten und hat einen Fehlerbereich von etwa drei Prozentpunkten. Zwei Institute, die am selben Tag verschiedene Werte melden, widersprechen sich deshalb meistens nicht — sie messen dasselbe mit verschiedenen Werkzeugen.

Für die AfD kommt ein methodischer Punkt hinzu, den die Umfrageforschung offen diskutiert: Manche Befragte nennen ihre Wahlabsicht am Telefon ungern, wenn sie sie für gesellschaftlich unerwünscht halten; in einer Online-Befragung fällt das leichter. Ob und wie stark dieser Effekt wirkt, ist in der Forschung umstritten — dass die Erhebungsart einen Unterschied macht, ist es nicht. Praktisch heißt das: Werte verschiedener Institute können auseinanderliegen, ohne dass eines davon falsch misst.

Aktuelle Werte aller Institute nebeneinander, jeweils mit Erhebungszeitraum und Auftraggeber, stehen auf unserer Umfrage-Übersicht zur Bundestagswahl. Wie genau die Institute in der Vergangenheit lagen, haben wir auf der Seite zu den Umfrageinstituten nachgerechnet.

  • Nie einer einzelnen Umfrage folgen

    Erst der Durchschnitt mehrerer Institute über mehrere Wochen ergibt ein belastbares Bild. Eine einzelne Erhebung ist ein Datenpunkt mit Fehlerbereich.

  • Bund und Land nicht verwechseln

    Eine bundesweite Sonntagsfrage sagt wenig über ein einzelnes Bundesland. Für Landeswerte gibt es eigene Erhebungen — meist deutlich seltener und damit unsicherer.

  • Erhebungsdatum beachten

    Veröffentlicht wird oft Tage nach der Befragung. Liegt ein politisches Ereignis dazwischen, ist die Zahl bereits überholt, wenn sie erscheint.

  • Umfrage ist nicht Wahl

    Am Wahltag entscheidet auch die Wahlbeteiligung — wer tatsächlich hingeht. Das kann keine Umfrage zuverlässig messen.

Häufige Fragen zur AfD

Fünf Fragen, die immer wieder gestellt werden — sachlich beantwortet.

  • Wofür steht die Abkürzung AfD?

    Für Alternative für Deutschland. Die Partei wurde 2013 gegründet.

  • Kann eine Partei in Deutschland verboten werden?

    Ja, aber nur durch das Bundesverfassungsgericht und nur unter sehr engen Voraussetzungen nach Artikel 21 Grundgesetz. Antragsberechtigt sind Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung. Ein Verbot ist die schärfste Maßnahme, die das Grundgesetz gegen eine Partei kennt, und wurde in der Geschichte der Bundesrepublik erst zweimal ausgesprochen — beide Male in den 1950er Jahren.

  • Warum sind die Sitzanteile in den Ländern so verschieden?

    Wie weit sie auseinandergehen, zeigt die Grafik oben — von 5,6 % bis 36,4 %. Über die Ursachen dieser Unterschiede führt PolitikCheck keinen eigenen Datensatz und stellt deshalb hier keine Erklärung auf. Wahlforschung dazu gibt es reichlich; wir verweisen auf die Bundeszentrale für politische Bildung, statt eine eigene Deutung zu behaupten.

  • Bekommt die AfD Steuergeld?

    Wie alle Parteien, die bestimmte Mindestergebnisse bei Wahlen erreichen, erhält sie staatliche Teilfinanzierung. Die Höhe richtet sich nach Wahlergebnis und Eigeneinnahmen und ist für alle Parteien nach denselben Regeln gedeckelt. Details unter Parteienfinanzierung.

  • Wo finde ich die Positionen der Partei zu einzelnen Themen?

    Im PolitikCheck-Kompass. Er erfasst alle Parteien nach demselben Schema und belegt jede Position mit einer Fundstelle — das ist der Ort für inhaltliche Vergleiche, nicht dieser Artikel.

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Verwandte Begriffe

Quellen

Dieser Beitrag erklärt einen Begriff und bewertet weder Parteien noch Institute. Alle Zahlen stammen aus den auf dieser Seite ausgewiesenen Quellen oder aus den eigenen Auswertungen, die jeweils verlinkt sind.

Siehe auch

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