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📖 Parteien erklärt

Die FDP — bei allen 21 Bundestagswahlen angetreten, 2 davon unter der Fünf-Prozent-Hürde

Begriff aus dem PolitikCheck-Glossar · Kategorie Parteien · 11 Minuten Lesezeit

Kurz zusammengefasst

  • Die FDP wurde 1948 gegründet und ist bei allen 21 Bundestagswahlen seit 1949 angetreten — eine von insgesamt 3 Parteien, für die das gilt.
  • In 19 dieser Wahlen lag sie über der Fünf-Prozent-Hürde, in 2 darunter (2013 und 2025). Zuletzt fehlten 0,67 Prozentpunkte — 4,33 % statt der nötigen fünf.
  • Das höchste Ergebnis der Reihe waren 14,6 % (2009) mit 93 Sitzen. Im Durchschnitt aller Wahlen liegt die Partei bei 8,9 %.
  • Aus dem Bundestag ausgeschieden zu sein heißt nicht, verschwunden zu sein: Die Partei sitzt weiterhin in 6 von 16 Landtagen und ist in 1 von 16 Ländern an der Landesregierung beteiligt.
  • Dieser Artikel beschreibt Aufbau, Zahlen und Verfahren. Er bewertet die Partei nicht und gibt ihre inhaltlichen Positionen nicht wieder — dafür gibt es den PolitikCheck-Kompass, der alle Parteien nach demselben Schema erfasst.

Eine Partei, die bei jeder Bundestagswahl dabei war

Die Freie Demokratische Partei wurde 1948 gegründet, ein Jahr vor der ersten Bundestagswahl. Sie entstand als Zusammenschluss mehrerer regionaler liberaler Parteien, die sich nach 1945 in den westlichen Besatzungszonen gebildet hatten.

Eine Zahl beschreibt ihre Rolle im Parteiensystem besser als jede Beschreibung: Sie ist bei allen 21 Bundestagswahlen seit 1949 angetreten. Nur 3 Parteien insgesamt sind bei jeder einzelnen Bundestagswahl angetreten — die meisten heutigen Bundestagsparteien wurden erst Jahrzehnte später gegründet.

Wie jede Partei in Deutschland ist auch diese in mehreren Ebenen aufgebaut: Bundesverband, Landesverbände in allen Bundesländern und darunter Kreis- und Ortsverbände. Diese Gliederung folgt aus dem föderalen Aufbau der Bundesrepublik — weil Bund, Länder und Kommunen getrennt gewählt werden, braucht eine Partei auf jeder Ebene eigene Untergliederungen, die dort Kandidaten aufstellen. Den aktuellen Bundesvorstand und die Landesverbände finden Sie auf unserer Profilseite. Personen wechseln; dieser Artikel beschreibt deshalb Strukturen und Zahlen, nicht die aktuelle Besetzung.

Der rote Faden dieses Artikels ist ein anderer als bei den übrigen Partei-Artikeln, und das hat einen sachlichen Grund: Bei kaum einer Partei entscheidet die Fünf-Prozent-Hürde so unmittelbar über die Zahl der Sitze wie hier. Deshalb steht sie in drei der folgenden Abschnitte im Mittelpunkt.

Die FDP und die Fünf-Prozent-Hürde

Die Grafik zeigt nicht den Zweitstimmenanteil, sondern den Abstand zur Fünf-Prozent-Hürde — also wie viele Prozentpunkte über oder unter fünf Prozent das Ergebnis lag. Der Grund für diese Darstellung: In einer gewöhnlichen Balkenreihe von 4,33 bis 14,6 Prozent verschwindet genau der Unterschied, auf den es bei dieser Partei ankommt.

In 19 von 21 Wahlen lag das Ergebnis über der Hürde, in 2 darunter: 2013 und 2025. Der höchste Wert der Reihe waren 14,6 % (2009) mit 93 Sitzen; der Durchschnitt über alle Wahlen liegt bei 8,9 %.

Bei der jüngsten Wahl 2025 fehlten 0,67 Prozentpunkte. Das ist weniger als der übliche Fehlerbereich einer einzelnen Umfrage — und trotzdem der Unterschied zwischen null Sitzen und einer Fraktion. Genau diese Unwucht macht die Hürde zu einer der folgenreichsten Regeln des deutschen Wahlrechts.

Ein Hinweis zur ersten Zeile der Grafik: 1949 galt ein Einstimmen-Wahlrecht — es gab noch keine getrennte Erst- und Zweitstimme —, und die Sperrklausel wirkte damals je Bundesland statt bundesweit. Der Abstand dieses Jahres ist deshalb nicht direkt mit den späteren vergleichbar. Das steht auch in der Fußzeile unter der Grafik.

Wie aus Prozenten Sitze werden, ist ein eigener Rechenschritt: Jeder Wähler hat zwei Stimmen — die Erststimme für eine Person im Wahlkreis, die Zweitstimme für eine Landesliste. Für die Fraktionsstärke zählt allein die Zweitstimme; aus ihr entstehen die Sitze nach dem Verfahren Sainte-Laguë.

Abstand zur Fünf-Prozent-Hürde bei jeder Bundestagswahl

Nicht der Anteil, sondern der Abstand: Wie viele Prozentpunkte lag das Zweitstimmenergebnis über oder unter fünf Prozent? Die Mittellinie ist die Hürde. Balken nach rechts bedeuten darüber, nach links darunter.

  • 1949+6,911,9 % · 53
  • 1953+4,59,5 % · 53
  • 1957+2,77,7 % · 44
  • 1961+7,812,8 % · 67
  • 1965+4,59,5 % · 50
  • 1969+0,85,8 % · 31
  • 1972+3,48,4 % · 42
  • 1976+2,97,9 % · 40
  • 1980+5,610,6 % · 54
  • 1983+2,07,0 % · 35
  • 1987+4,19,1 % · 48
  • 1990+6,011,0 % · 79
  • 1994+1,96,9 % · 47
  • 1998+1,26,2 % · 43
  • 2002+2,47,4 % · 47
  • 2005+4,89,8 % · 61
  • 2009+9,614,6 % · 93
  • 20130,24,8 % · 0
  • 2017+5,710,7 % · 80
  • 2021+6,511,5 % · 92
  • 20250,74,3 % · 0

Bei 19 von 21 Wahlen lag das Ergebnis über der Hürde, bei 2 darunter (2013 und 2025). Der größte Vorsprung waren 9,6 Prozentpunkte (2009), der größte Rückstand 0,7 Prozentpunkte (2025). Die letzte Spalte nennt den Anteil und die Sitze.

Grundlage: endgültige amtliche Zweitstimmen-Ergebnisse der Bundeswahlleiterin, wie sie auch den Wahlseiten zugrunde liegen. Gezeigt ist der Zweitstimmenanteil, nicht die Erststimme. Die Sitzzahl ist die tatsächliche Fraktionsstärke nach der Wahl, vor späteren Wechseln. 1949 galt ein Einstimmen-Wahlrecht und die Sperrklausel wirkte je Bundesland; der Abstand dieses Jahres ist deshalb nicht mit den späteren vergleichbar. Sitzzahlen bis 1987 einschließlich der Berliner Abgeordneten, wie amtlich ausgewiesen. amtliche Ergebnisse

Was passiert, wenn eine Partei an der Hürde scheitert

Die Fünf-Prozent-Hürde steht im Bundeswahlgesetz, nicht im Grundgesetz. Sie soll verhindern, dass ein Parlament in sehr viele kleine Gruppen zerfällt. Das Bundesverfassungsgericht hat sie mehrfach für zulässig gehalten, weil dieses Ziel legitim ist — sie greift aber in die Gleichheit der Stimmen ein, und deshalb steht sie unter regelmäßiger Beobachtung.

Praktisch bedeutet ein Ergebnis unter fünf Prozent: Die Zweitstimmen der Partei werden bei der Sitzverteilung nicht berücksichtigt. Sie sind gültig und werden gezählt, aber sie führen zu keinem Sitz. Die Sitze werden unter den übrigen Parteien verteilt — jede von ihnen bekommt dadurch etwas mehr, als ihrem Anteil an allen Stimmen entspricht.

Es gibt zwei gesetzliche Ausnahmen. Die Grundmandatsklausel greift, wenn eine Partei genügend Wahlkreise direkt gewinnt; sie wird dann behandelt, als hätte sie die Hürde genommen. Die Minderheitenklausel gilt für Parteien nationaler Minderheiten. Für die FDP kam bisher keine der beiden in Betracht — bei der jüngsten Wahl gewann sie 0 von 299 Wahlkreisen.

Das ist kein Zufall, sondern folgt aus der Struktur ihrer Ergebnisse: Wer seine Stimmen gleichmäßig über das Land verteilt bekommt, gewinnt selten einen einzelnen Wahlkreis. Der übernächste Abschnitt zeigt diese Gleichmäßigkeit in Zahlen.

Für die Partei selbst ist das Ausscheiden aus dem Bundestag vor allem ein Verlust an parlamentarischen Rechten: keine Fraktion, keine Redezeit im Plenum, keine Sitze in Ausschüssen, kein Recht, Anträge oder Kleine Anfragen als Fraktion einzubringen. Die staatliche Teilfinanzierung entfällt dagegen nicht — sie hängt an den Wahlergebnissen und den selbst erwirtschafteten Einnahmen, nicht an Mandaten.

  • Stimmen unter der Hürde sind nicht ungültig

    Sie werden gezählt und veröffentlicht — sie führen nur zu keinem Sitz. Für die staatliche Parteienfinanzierung zählen sie weiterhin mit.

  • Die anderen Parteien gewinnen dadurch

    Fallen Stimmen bei der Sitzverteilung weg, verteilen sich alle Sitze auf die verbliebenen Parteien — jede bekommt anteilig mehr.

  • Wahlkreise können die Hürde ersetzen

    Über die Grundmandatsklausel — allerdings nur, wenn genügend Wahlkreise direkt gewonnen werden.

  • In den Ländern gilt eigenes Recht

    Sperrklauseln für Landtage sind Landesrecht und je Bundesland verschieden; auf kommunaler Ebene gibt es in mehreren Ländern gar keine Sperrklausel mehr.

Die FDP in den 16 Bundesländern

Ein bundesweiter Prozentwert verdeckt fast immer sehr unterschiedliche Landeswerte. Bei dieser Partei fällt allerdings das Gegenteil auf: Die Werte liegen eng beieinander. Zwischen dem höchsten Landeswert (Baden-Württemberg, 5,6 %) und dem niedrigsten (Thüringen, 2,8 %) liegen wenige Prozentpunkte, bei einem bundesweiten Ergebnis von 4,3 %.

Fünf Prozent oder mehr erreichte die Partei bei dieser Wahl in 2 der 16 Länder. Das half für die Sitzverteilung allerdings nicht: Die Sperrklausel wird bundesweit geprüft, nicht je Land. Die gelbe Linie in der Grafik ist deshalb ausdrücklich nur eine Orientierungsmarke — genau dieser Punkt wird in Kommentaren zu Wahlabenden regelmäßig verwechselt.

Ein methodischer Hinweis zur Grafik: Die Landeswerte sind aus den absoluten Stimmzahlen gerechnet — Zweitstimmen der Partei geteilt durch alle gültigen Zweitstimmen desselben Landes. Man könnte auch die Prozentwerte der Wahlkreise eines Landes mitteln, aber das ergäbe eine andere Zahl, weil Wahlkreise unterschiedlich viele Wähler haben. Die absolute Rechnung ist die amtliche.

Diese gleichmäßige Verteilung ist kein nebensächliches Detail. Sie erklärt, warum die Partei praktisch keine Wahlkreise gewinnt, und sie macht ein Ergebnis nahe der Hürde besonders empfindlich: Es gibt keine Region, in der ein sehr hohes Ergebnis ein schwaches anderswo ausgleichen könnte.

Die FDP in den 16 Bundesländern

Zweitstimmenanteil bei der Bundestagswahl 2025, aus den amtlichen Stimmzahlen je Land gerechnet. Rechts die absoluten Zweitstimmen. Weiße Linie: bundesweiter Wert. Gelbe Linie: fünf Prozent.

  • Baden-Württemberg5,6 %357.539
  • Hessen5,0 %180.823
  • Schleswig-Holstein4,7 %88.147
  • Rheinland-Pfalz4,6 %114.047
  • Hamburg4,5 %47.115
  • Nordrhein-Westfalen4,4 %462.446
  • Saarland4,3 %25.725
  • Bayern4,2 %333.257
  • Niedersachsen4,1 %205.163
  • Berlin3,8 %74.076
  • Bremen3,5 %12.295
  • Sachsen3,2 %83.436
  • Brandenburg3,2 %53.467
  • Mecklenburg-Vorpommern3,2 %32.678
  • Sachsen-Anhalt3,1 %41.251
  • Thüringen2,8 %37.292

Bundesweit 4,3 % (weiße Linie). Darüber liegen 6 der 16 Länder, darunter 10. Zwischen dem höchsten Landeswert (Baden-Württemberg, 5,6 %) und dem niedrigsten (Thüringen, 2,8 %) liegen 2,8 Prozentpunkte. Fünf Prozent oder mehr erreichte die Partei in 2 Ländern.

Grundlage: endgültiges amtliches Endergebnis der Bundestagswahl 2025 der Bundeswahlleiterin (Open Data, kerg2). Gerechnet wird aus den absoluten Zweitstimmen je Land geteilt durch die gültigen Zweitstimmen desselben Landes — nicht als Mittelwert über Wahlkreise, weil die Wahlkreise unterschiedlich groß sind. Die gelbe Linie markiert fünf Prozent. Sie ist hier nur eine Orientierungsmarke: Die Sperrklausel des Bundeswahlgesetzes gilt bundesweit, nicht je Bundesland — ein Landeswert über fünf Prozent bringt für sich genommen keinen Sitz. amtliche Ergebnisse

Wahlkreis für Wahlkreis — die vollständige Verteilung

Deutschland ist für die Bundestagswahl in 299 Wahlkreise eingeteilt, die so zugeschnitten sind, dass in jedem ungefähr gleich viele Menschen leben. Die Wahlkreiseinteilung folgt festen gesetzlichen Vorgaben und wird regelmäßig überprüft.

Anders als eine Bestenliste zeigt diese Grafik die vollständige Verteilung: Jeder Balken sagt, wie viele der 299 Wahlkreise in einem bestimmten Bereich lagen. Es fehlt kein Wahlkreis, und es ist kein Ausschnitt.

Das Bild ist bemerkenswert schmal: In 71 Wahlkreisen lag der Anteil bei fünf Prozent oder darüber, in 228 darunter. Der höchste Einzelwert im ganzen Land waren 7,8 % (Düsseldorf I), der niedrigste 2,5 %. Zwischen dem besten und dem schwächsten Wahlkreis Deutschlands liegen damit nur wenige Prozentpunkte.

Zum Vergleich, ohne Wertung: Bei Parteien mit regionalen Schwerpunkten ist dieselbe Spanne ein Vielfaches größer — die Wahlkreis-Grafik im Artikel zur Linken zeigt einen solchen Fall. Die Verteilung sagt nichts darüber, ob ein Ergebnis gut oder schlecht ist — sie sagt etwas über die Struktur der Stimmen, und diese Struktur entscheidet darüber, ob Direktmandate überhaupt erreichbar sind.

Wie das Ergebnis vor Ort aussah, lässt sich Wahlkreis für Wahlkreis nachsehen — auf Mein Wahlkreis mit allen Parteien nebeneinander, Erst- und Zweitstimmen getrennt.

Wie viele Wahlkreise in welchem Bereich lagen

Alle 299 Wahlkreise der Bundestagswahl 2025, sortiert nach dem Zweitstimmenanteil der FDP und in Bänder gruppiert. Jeder Balken sagt, wie viele Wahlkreise in dieses Band fielen — kein Ausschnitt, sondern die vollständige Verteilung.

  • unter 3,0 %27 Wahlkreise
  • 3,0 bis unter 4,0 %106 Wahlkreise
  • 4,0 bis unter 5,0 %95 Wahlkreise
  • 5,0 bis unter 6,0 %50 Wahlkreise
  • 6,0 bis unter 7,0 %17 Wahlkreise
  • 7,0 % und mehr4 Wahlkreise

In 71 der 299 Wahlkreise lag der Anteil bei fünf Prozent oder darüber (farbige Balken), in 228 darunter (graue Balken). Der höchste Wert war 7,8 % (Düsseldorf I), der niedrigste 2,5 % (Berlin-Lichtenberg).

Grundlage: endgültiges amtliches Endergebnis der Bundestagswahl 2025 der Bundeswahlleiterin (Open Data, kerg2), Zweitstimmen-Anteile je Wahlkreis. Die mittleren Bänder sind jeweils einen Prozentpunkt breit; das unterste und das oberste sind nach unten beziehungsweise oben offen. Ein Anteil über fünf Prozent in einem einzelnen Wahlkreis hat keine Rechtsfolge — die Sperrklausel gilt bundesweit. Ergebnis im eigenen Wahlkreis

Die FDP in den Landtagen

Deutschland ist ein Bundesstaat: Jedes Land hat ein eigenes Parlament, ein eigenes Wahlrecht und einen eigenen Wahltermin. Eine Partei kann deshalb im Bund außerparlamentarisch sein und in Ländern trotzdem im Parlament sitzen — genau das ist hier der Fall.

Aktuell ist die Partei in 6 von 16 Landtagen mit einer Fraktion vertreten; in 10 Ländern ist sie es nicht. Der höchste Sitzanteil liegt bei 7,2 % in Schleswig-Holstein, der niedrigste bei 3,8 % in Mecklenburg-Vorpommern. An einer Landesregierung ist sie derzeit in 1 von 16 Ländern beteiligt (Sachsen-Anhalt).

Beim Vergleich solcher Werte gilt derselbe Vorbehalt wie bei jeder Länder-Übersicht: Die Landtage wurden zu verschiedenen Zeitpunkten gewählt, teils Jahre auseinander. Die Reihe ist deshalb kein Stimmungsbild eines Stichtags. Wie eine Partei in einem Land heute stünde, zeigen eher die Landesumfragen.

Besonders wichtig bei dieser Partei: Die Landtagswahlrechte unterscheiden sich je Bundesland. Sperrklausel, Zuteilungsverfahren, Zahl der Stimmen und Parlamentsgröße sind nicht überall gleich, und einzelne Länder kennen Ausnahmen, die es im Bund nicht gibt. Ein Ergebnis von 5,1 Prozent kann in einem Land für den Einzug reichen und in einem anderen unter anderen Regeln anders wirken — pauschale Aussagen über „die Fünf-Prozent-Hürde in Deutschland" sind deshalb für die Länderebene ungenau.

  • Wer ein Land regiert, entscheidet der Landtag

    Der Ministerpräsident wird vom jeweiligen Landtag gewählt, nicht direkt vom Volk. Auch dort braucht es dafür eine Mehrheit — meist eine Koalition.

  • Der Bundesrat hängt daran

    Über die Landesregierungen wirken die Länder im Bundesrat an der Bundesgesetzgebung mit. Eine Partei ohne Bundestagsmandate kann so trotzdem an Bundesgesetzen mitwirken.

  • Kommunal wird getrennt gezählt

    In unserer Auswertung kommunaler Spitzenämter entfallen auf diese Partei 2 Oberbürgermeisterposten in den erfassten Großstädten; bei den Landratsämtern sind es 0. Mandate in Kreistagen und Gemeinderäten zählt diese Auswertung nicht mit.

  • Kommunale Sperrklauseln sind vielfach weggefallen

    Mehrere Landesverfassungsgerichte haben Sperrklauseln für Gemeinderäte und Kreistage gekippt. Kleine Parteien und Wählergruppen sind dort deshalb oft vertreten, obwohl sie im Bund weit unter fünf Prozent lägen. Auch das ist Landesrecht und je Bundesland verschieden.

Mitglieder und Finanzen

Mitgliederzahlen sind eine der wenigen Größen, an denen sich eine Partei jenseits von Wahltagen messen lässt. Diese Partei zählt zuletzt 69.000 Mitglieder und liegt damit auf Platz 7 unter den 10 hier erfassten Parteien.

Die Reihe reicht weit zurück: Den höchsten erfassten Stand gab es 1990 mit 168.000 Mitgliedern. Dieser Wert fiel in die Zeit unmittelbar nach der Wiedervereinigung, als sich in den neuen Ländern bestehende Parteien und Mitgliederbestände neu ordneten — ein Sondereffekt, der die Reihe an dieser Stelle nicht mit späteren Jahren vergleichbar macht.

Warum Mitglieder mehr sind als Beitragszahler: Sie stellen die Kandidaten auf — für den Wahlkreis wie für die Landesliste —, besetzen die Kreisverbände und tragen den Wahlkampf vor Ort. Für eine Partei ohne Bundestagsmandate sind sie zudem die Ebene, auf der die Organisation weiterläuft.

Parteien finanzieren sich aus drei Quellen: Mitgliedsbeiträgen, Spenden und der staatlichen Teilfinanzierung. Die Regeln stehen im Parteiengesetz und gelten für alle gleich — die Einzelheiten im Artikel zur Parteienfinanzierung. Die staatlichen Mittel folgen dem Erfolg bei Wahlen und den selbst erwirtschafteten Einnahmen, höchstens aber bis zur Höhe dessen, was eine Partei selbst erwirtschaftet hat.

Für das Berichtsjahr 2024 weist die amtliche Rechenschaftslegung für diese Partei Gesamteinnahmen von 46.330.526 Euro aus. Diese Berichte sind für alle Parteien verpflichtend und werden als Bundestagsdrucksache veröffentlicht. Wie andere Parteien verfügt auch diese über eine parteinahe Stiftung; solche Stiftungen sind rechtlich von den Parteien getrennt, erhalten aber öffentliche Mittel für politische Bildung. Alle Parteien nebeneinander stehen auf unserer Seite zu Parteispenden und Parteifinanzen.

Partei, Fraktion, Regierung — drei verschiedene Dinge

Drei Begriffe werden im Alltag durcheinandergebracht, obwohl sie Verschiedenes bezeichnen. Bei einer Partei ohne Bundestagsmandate wird der Unterschied sofort greifbar.

Die Partei ist der Verein außerhalb des Parlaments: Mitglieder, Vorstand, Parteitage, Programme. Sie existiert unabhängig davon, ob sie Mandate hat — sie kann Mitglieder aufnehmen, Parteitage abhalten und zur nächsten Wahl antreten.

Die Fraktion ist der Zusammenschluss der gewählten Abgeordneten im Parlament. Sie ist ein Organ des Parlaments, kein Ableger der Partei. Der Fraktionsstatus im Bundestag setzt nach der Geschäftsordnung mindestens fünf Prozent aller Mitglieder des Hauses voraus. Ohne Mandate gibt es keine Fraktion — im Bundestag der laufenden Wahlperiode entfallen auf diese Partei 0 Sitze. In den Landtagen dagegen gibt es Fraktionen, mit allen dortigen Rechten.

Die Regierung besteht aus Kanzler beziehungsweise Ministerpräsident und den Ministern und wird vom jeweiligen Parlament getragen. Wer im Kabinett sitzt, wird zwischen den Koalitionspartnern ausgehandelt, meist im Koalitionsvertrag nach vorherigen Sondierungen. Eine Partei kann deshalb in einem Land mitregieren, im nächsten in der Opposition sitzen und im Bund gar nicht im Parlament vertreten sein — alles gleichzeitig.

Der letzte Punkt ist der, der am häufigsten überrascht: Aus dem Bundestag auszuscheiden bedeutet nicht, aus der Politik auszuscheiden. Landtage, Kommunalparlamente, das Europäische Parlament und der Parteiapparat selbst laufen weiter — sie werden nur seltener bundesweit berichtet.

Umfragen zur FDP richtig lesen

Für Umfragewerte gilt dasselbe wie für jede andere Partei — der Artikel zur Sonntagsfrage erklärt es ausführlich, hier das Wichtigste in Kürze.

Eine Umfrage ist keine Wahlprognose, sondern eine Momentaufnahme. Sie beruht auf rund 1.000 bis 2.000 Befragten und hat einen Fehlerbereich von etwa drei Prozentpunkten. Zwei Institute, die am selben Tag verschiedene Werte melden, widersprechen sich deshalb meistens nicht.

Für eine Partei nahe der Fünf-Prozent-Hürde ist dieser Fehlerbereich größer als der Unterschied, um den es geht. Ob eine Partei bei 4 oder bei 5,5 Prozent gemessen wird, entscheidet über null oder mehrere Dutzend Sitze — obwohl die Differenz innerhalb der normalen Ungenauigkeit einer einzelnen Erhebung liegt. Wer aus einer einzelnen Umfrage abliest, ob eine Partei „drin" oder „draußen" ist, liest mehr heraus, als die Zahl hergibt.

Dazu kommt ein zweiter Effekt, den die Institute selbst benennen: In der Nähe der Hürde spielt eine Rolle, wie Befragte über die Erfolgsaussichten einer Partei denken. Das ist keine Manipulation, sondern eine bekannte Eigenschaft von Wahlen mit Sperrklausel — und ein weiterer Grund, einzelnen Werten nicht zu viel zu entnehmen.

Aktuelle Werte aller Institute nebeneinander, jeweils mit Erhebungszeitraum und Auftraggeber, stehen auf unserer Umfrage-Übersicht zur Bundestagswahl. Wie genau die Institute in der Vergangenheit lagen, haben wir auf der Seite zu den Umfrageinstituten nachgerechnet.

  • Nie einer einzelnen Umfrage folgen

    Erst der Durchschnitt mehrerer Institute über mehrere Wochen ergibt ein belastbares Bild.

  • An der Hürde ist der Fehlerbereich größer als der Unterschied

    Vier oder fünfeinhalb Prozent liegen innerhalb der normalen Ungenauigkeit — in Sitzen ist es der ganze Unterschied.

  • Bund und Land nicht verwechseln

    Eine bundesweite Sonntagsfrage sagt wenig über ein einzelnes Bundesland, in dem eine Landtagswahl ansteht.

  • Umfrage ist nicht Wahl

    Am Wahltag entscheidet auch die Wahlbeteiligung — wer tatsächlich hingeht. Das kann keine Umfrage zuverlässig messen.

Häufige Fragen zur FDP

Sechs Fragen, die immer wieder gestellt werden — sachlich beantwortet.

  • Sitzt die FDP im Bundestag?

    In der laufenden Wahlperiode nicht: 0 Sitze. Bei der Wahl 2025 lag das Ergebnis mit 4,33 % um 0,67 Prozentpunkte unter der Fünf-Prozent-Hürde.

  • Wie oft ist die Partei an der Hürde gescheitert?

    In 2 von 21 Bundestagswahlen: 2013 und 2025. In allen übrigen 19 lag sie darüber.

  • Bekommt eine Partei ohne Mandate noch staatliches Geld?

    Ja. Die staatliche Teilfinanzierung folgt den Wahlergebnissen und den selbst erwirtschafteten Einnahmen, nicht den Mandaten. Einzelheiten im Artikel zur Parteienfinanzierung.

  • Warum gewinnt die FDP keine Wahlkreise?

    Weil ein Wahlkreis über die Erststimme an die Person mit den meisten Stimmen geht. Bei einer über das Land gleichmäßig verteilten Stimmenstruktur ist das kaum erreichbar — bei der jüngsten Wahl gewann sie 0 von 299 Wahlkreisen.

  • Ist die Partei in den Ländern noch vertreten?

    Ja, in 6 von 16 Landtagen, und in 1 von 16 Ländern an der Landesregierung beteiligt (Sachsen-Anhalt). Landtagswahlen finden zu verschiedenen Zeitpunkten statt und folgen je Bundesland eigenem Wahlrecht.

  • Wo finde ich die Positionen der Partei zu einzelnen Themen?

    Im PolitikCheck-Kompass. Er erfasst alle Parteien nach demselben Schema und belegt jede Position mit einer Fundstelle — das ist der Ort für inhaltliche Vergleiche, nicht dieser Artikel.

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Verwandte Begriffe

Quellen

Dieser Beitrag erklärt einen Begriff und bewertet weder Parteien noch Institute. Alle Zahlen stammen aus den auf dieser Seite ausgewiesenen Quellen oder aus den eigenen Auswertungen, die jeweils verlinkt sind.

Siehe auch

Echte Demokratie lebt vom Mitmachen.

Von der Kontrolle der Politiker über das Engagement jedes Einzelnen bis zum konkreten Aktivwerden — jede Stimme zählt. Eine lebendige Demokratie entsteht nicht im Bundestag allein, sondern dort, wo Bürger nachfragen, widersprechen und mitentscheiden.

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