Zwei Vorläufer, eine Partei
Die Partei Die Linke in ihrer heutigen Form gibt es seit 2007. Sie entstand aus dem Zusammenschluss zweier Parteien, die aus sehr verschiedenen Richtungen kamen — und das erklärt bis heute, warum ihre Ergebnisse in Ost und West so weit auseinanderliegen.
Der eine Vorläufer war die PDS. Sie ging aus der Staatspartei der DDR hervor und war nach 1990 vor allem in den ostdeutschen Ländern verankert. Der andere war die WASG, eine westdeutsche Neugründung aus dem Umfeld von Gewerkschaften und ehemaligen Sozialdemokraten, die sich in den Jahren nach 2004 bildete. Die PDS trat schon seit der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl an, die WASG erst kurz vor dem Zusammenschluss; seit 2007 treten beide gemeinsam an.
Für die Zahlen in diesem Artikel hat das eine praktische Folge, die man kennen sollte: Die amtlichen Übersichten der Bundeswahlleiterin und ebenso unsere Wahlreihe führen PDS und Die Linke in einer durchgehenden Reihe. Das ist die übliche Darstellung, weil es dieselbe Rechtsnachfolge ist — aber die Reihe beginnt damit bei einer Partei, die es unter diesem Namen noch nicht gab.
Wie jede Partei in Deutschland besteht auch diese aus mehreren Ebenen: einem Bundesverband, Landesverbänden und darunter Kreis- und Ortsverbänden. Diese Gliederung folgt aus dem föderalen Aufbau der Bundesrepublik — weil Bund, Länder und Kommunen getrennt gewählt werden, braucht eine Partei auf jeder Ebene eigene Untergliederungen, die dort Kandidaten aufstellen. Wer den aktuellen Bundesvorstand sucht oder einen Landesverband erreichen will, findet beides auf unserer Profilseite. Personen wechseln; dieser Artikel beschreibt deshalb Strukturen und Zahlen, nicht die aktuelle Besetzung.
Die Linke bei den Bundestagswahlen
Bei einer Bundestagswahl entscheidet über die Sitzverteilung die Zweitstimme. Die Reihe der Ergebnisse beginnt 1990 und umfasst bisher 10 Wahlen.
Das höchste Ergebnis der Reihe waren 11,9 % (2009) mit 76 Sitzen. Bei der jüngsten Wahl 2025 waren es 8,8 % und 64 Sitze in einem Bundestag mit 630 Sitzen insgesamt.
Auffällig ist etwas anderes: In 4 der 10 Wahlen lag das Ergebnis unter fünf Prozent — 1990, 1994, 2002 und 2021. Nach der Fünf-Prozent-Hürde müsste eine Partei damit bei der Sitzverteilung unberücksichtigt bleiben. Trotzdem saßen in allen 4 Fällen Abgeordnete dieser Partei im Bundestag.
Das ist der interessanteste Zug dieser Ergebnisreihe, und er lässt sich an keiner anderen Partei so gut erklären. Der nächste Abschnitt zeigt, wie das rechtlich funktioniert — und warum dieselbe Regel in einem Jahr nicht griff.
Vorab eine Einordnung, die für jede Wahlreihe gilt: Aus Prozenten werden Sitze erst in einem eigenen Rechenschritt. Jeder Wähler hat bei der Bundestagswahl zwei Stimmen — die Erststimme für eine Person im Wahlkreis, die Zweitstimme für eine Landesliste. Für die Stärke der Fraktionen zählt allein die Zweitstimme; aus ihr werden die Sitze nach dem Verfahren Sainte-Laguë gebildet. Ein einmal gewonnenes Mandat gehört danach der gewählten Person, nicht der Partei.
Zweitstimmenanteil bei jeder Bundestagswahl seit dem ersten Antritt. Die gelbe Linie markiert fünf Prozent, rechts stehen die Sitze, die aus dem Ergebnis wurden.
- 19902,4 %17 Sitze
- 19944,4 %30 Sitze
- 19985,1 %36 Sitze
- 20024,0 %2 Sitze
- 20058,7 %54 Sitze
- 200911,9 %76 Sitze
- 20138,6 %64 Sitze
- 20179,2 %69 Sitze
- 20214,9 %39 Sitze
- 20258,8 %64 Sitze
In 4 der 10 Wahlen lag das Ergebnis unter fünf Prozent — in 4 davon zog die Partei trotzdem in den Bundestag ein (1990, 1994, 2002, 2021). Das ist keine Ausnahme vom Wahlrecht, sondern darin angelegt: über gewonnene Wahlkreise (Grundmandatsklausel) und, einmalig 1990, über die getrennt gerechnete Hürde in zwei Wahlgebieten. Höchster Wert der Reihe: 11,9 % (2009).
Grundlage: endgültige amtliche Zweitstimmen-Ergebnisse der Bundeswahlleiterin, wie sie auch den Wahlseiten zugrunde liegen. Gezeigt ist der Zweitstimmenanteil, nicht die Erststimme. Die Sitzzahl ist die tatsächliche Fraktionsstärke nach der Wahl, vor späteren Wechseln. Die Reihe fasst PDS und Die Linke zusammen, wie in den amtlichen Übersichten üblich — die Partei entstand 2007 aus der PDS und der WASG. Sonderfall 1990: Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl galt die Fünf-Prozent-Hürde getrennt in zwei Wahlgebieten, deshalb ergaben gut zwei Prozent bundesweit Sitze. amtliche Ergebnisse
Warum unter fünf Prozent nicht automatisch draußen heißt
Die Fünf-Prozent-Hürde steht im Bundeswahlgesetz, nicht im Grundgesetz. Sie soll verhindern, dass ein Parlament in sehr viele sehr kleine Gruppen zerfällt und dadurch schwer regierbar wird. Das Bundesverfassungsgericht hat sie mehrfach für zulässig gehalten — sie greift aber spürbar in die Gleichheit der Stimmen ein und ist deshalb an Bedingungen geknüpft.
Im selben Gesetz stehen zwei Ausnahmen. Die bekanntere ist die Grundmandatsklausel: Gewinnt eine Partei eine bestimmte Mindestzahl von Wahlkreisen direkt, wird sie bei der Sitzverteilung berücksichtigt, als hätte sie die fünf Prozent erreicht. Sie bekommt dann nicht nur ihre gewonnenen Wahlkreise, sondern so viele Sitze, wie ihrem Zweitstimmenanteil entspricht.
Die zweite Ausnahme ist die Minderheitenklausel für Parteien nationaler Minderheiten. Sie spielt für diese Partei keine Rolle, gehört aber zum vollständigen Bild — die SSW zieht auf diesem Weg in den Bundestag ein.
Genau die Grundmandatsklausel erklärt die Zeilen unter der Fünf-Prozent-Linie in der Grafik oben. Im Fall 2021 etwa reichten 4,9 % — und trotzdem entstanden daraus 39 Sitze, weil genügend Wahlkreise direkt gewonnen wurden. Ohne diese Regel wäre die Partei mit demselben Ergebnis vollständig draußen geblieben.
Dass es auch andersherum geht, zeigt das Jahr 2002: Damals lag das Ergebnis ebenfalls unter fünf Prozent, aber die Zahl der gewonnenen Wahlkreise reichte für die Grundmandatsklausel nicht aus. Übrig blieben nur die direkt gewonnenen Sitze selbst — in der Grafik die kürzeste Zeile mit Sitzen. So wenige Abgeordnete sind zudem weit entfernt von der Größe, die für eine eigene Fraktion nötig ist; die Geschäftsordnung des Bundestages verlangt dafür mindestens fünf Prozent aller Mitglieder.
Eine dritte Erklärung betrifft nur das Jahr 1990: Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl galt die Fünf-Prozent-Hürde ausnahmsweise getrennt in zwei Wahlgebieten — im Gebiet der alten Bundesrepublik und im Gebiet der neuen Länder. Eine Partei musste die Hürde also nur in einem der beiden Gebiete nehmen. Deshalb ergaben bundesweite 2,4 % damals 17 Sitze. Diese Regelung galt für diese eine Wahl und ging auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zurück.
Die Hürde gilt bundesweit
Fünf Prozent aller gültigen Zweitstimmen im Bund. Ein starkes Ergebnis in einem einzelnen Bundesland hilft für sich genommen nicht.
Wahlkreise können sie ersetzen
Wer genügend Wahlkreise direkt gewinnt, wird behandelt, als hätte er die Hürde genommen — das ist die Grundmandatsklausel.
Reicht es nicht, bleiben nur die Wahlkreise
Werden weniger Wahlkreise gewonnen als nötig, zählen nur diese Sitze selbst. Der Zweitstimmenanteil geht dann bei der Sitzverteilung leer aus.
In den Ländern gelten eigene Regeln
Sperrklauseln und Ausnahmen sind Landesrecht und je Bundesland verschieden — was für den Bundestag gilt, gilt nicht automatisch für einen Landtag oder einen Gemeinderat.
Wo die Partei stark ist — die 16 Bundesländer
Ein bundesweiter Prozentwert verdeckt fast immer sehr unterschiedliche Landeswerte. Bei dieser Partei ist der Unterschied besonders ausgeprägt: von 19,9 % in Berlin bis 5,7 % in Bayern, bei einem bundesweiten Ergebnis von 8,8 %. In 8 der 16 Länder lag der Wert über dem Bundesschnitt.
Ein methodischer Hinweis zur Grafik, der leicht übersehen wird: Die Landeswerte sind aus den absoluten Stimmzahlen gerechnet — Zweitstimmen der Partei geteilt durch alle gültigen Zweitstimmen desselben Landes. Man könnte auch die Prozentwerte der Wahlkreise eines Landes mitteln, aber das ergäbe eine andere Zahl, weil Wahlkreise verschieden viele Wähler haben. Die absolute Rechnung ist die amtliche.
Die Reihenfolge in der Grafik entspricht dabei nicht schlicht der Trennlinie zwischen Ost und West, wie man sie aus älteren Darstellungen kennt. Ganz oben stehen Stadtstaaten und ostdeutsche Flächenländer gemeinsam — ein Muster, das mehr mit Großstädten zu tun hat als allein mit der Himmelsrichtung. Der nächste Abschnitt geht deshalb eine Ebene tiefer.
Wichtig ist außerdem: Die Fünf-Prozent-Hürde wird nicht je Land geprüft. Ein Landeswert über oder unter fünf Prozent hat für sich genommen keine Rechtsfolge. Für die Sitzverteilung zählt allein das bundesweite Ergebnis — und danach die Verteilung auf die Länder, die dem Zweitstimmenergebnis im jeweiligen Land folgt.
Zweitstimmenanteil bei der Bundestagswahl 2025, aus den amtlichen Stimmzahlen je Land gerechnet. Rechts die absoluten Zweitstimmen. Die weiße Linie ist der bundesweite Wert.
- Berlin19,9 %387.222
- Thüringen15,2 %200.688
- Bremen14,8 %51.461
- Hamburg14,5 %151.115
- Mecklenburg-Vorpommern12,0 %123.059
- Sachsen11,3 %290.462
- Sachsen-Anhalt10,8 %143.807
- Brandenburg10,7 %176.224
- Hessen8,7 %311.058
- Nordrhein-Westfalen8,3 %877.123
- Niedersachsen8,1 %405.519
- Schleswig-Holstein7,8 %146.428
- Saarland7,4 %44.080
- Baden-Württemberg6,8 %429.484
- Rheinland-Pfalz6,5 %161.867
- Bayern5,7 %456.935
Bundesweit 8,8 % (weiße Linie). Darüber liegen 8 der 16 Länder, darunter 8. Zwischen dem höchsten Landeswert (Berlin, 19,9 %) und dem niedrigsten (Bayern, 5,7 %) liegen 14,1 Prozentpunkte.
Grundlage: endgültiges amtliches Endergebnis der Bundestagswahl 2025 der Bundeswahlleiterin (Open Data, kerg2). Gerechnet wird aus den absoluten Zweitstimmen je Land geteilt durch die gültigen Zweitstimmen desselben Landes — nicht als Mittelwert über Wahlkreise, weil die Wahlkreise unterschiedlich groß sind. amtliche Ergebnisse
Wahlkreis für Wahlkreis — wo die Unterschiede wirklich liegen
Deutschland ist für die Bundestagswahl in Wahlkreise eingeteilt. Sie sind so zugeschnitten, dass in jedem ungefähr gleich viele Menschen leben — die Wahlkreiseinteilung folgt festen gesetzlichen Vorgaben und wird regelmäßig überprüft.
Auf dieser Ebene wird die Spannweite noch einmal deutlich größer als zwischen den Ländern: vom höchsten Wert 31,7 % (Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost) bis zum niedrigsten 3,1 % (Deggendorf). In 271 von 299 Wahlkreisen lag der Anteil bei fünf Prozent oder darüber.
Die Grafik zeigt bewusst nur die Spitze und den Schluss dieser Liste. Sie ist damit ein Ausschnitt und keine vollständige Verteilung — das steht auch unter der Grafik. Wer eine Rangliste liest, ohne diesen Hinweis zu bemerken, überschätzt leicht, wie typisch die gezeigten Werte sind.
Der Zusammenhang mit den Direktmandaten ist enger, als man denkt: Wahlkreise mit sehr hohen Anteilen sind genau jene, in denen eine Partei überhaupt eine Chance hat, den Wahlkreis direkt zu gewinnen. Bei der jüngsten Wahl entfielen 6 der insgesamt 64 Sitze der Fraktion auf gewonnene Wahlkreise, die übrigen 57 kamen über Landeslisten.
Wie das eigene Ergebnis vor Ort aussah, lässt sich Wahlkreis für Wahlkreis nachsehen — auf Mein Wahlkreis mit allen Parteien nebeneinander, Erst- und Zweitstimmen getrennt.
Zweitstimmenanteil der Linken bei der Bundestagswahl 2025 in den zwölf Wahlkreisen mit dem höchsten und den drei mit dem niedrigsten Wert. Dazwischen liegen 284 weitere Wahlkreise, die hier nicht abgebildet sind.
- Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost · WK 8231,7 %
- Berlin-Mitte · WK 7427,1 %
- Berlin-Neukölln · WK 8125,3 %
- Leipzig II · WK 15223,9 %
- Berlin-Lichtenberg · WK 8523,5 %
- Erfurt – Weimar – Weimarer Land II · WK 19222,1 %
- Berlin-Pankow · WK 7521,8 %
- Berlin-Treptow-Köpenick · WK 8321,7 %
- Leipzig I · WK 15121,1 %
- Hamburg-Mitte · WK 1819,0 %
- Jena – Sömmerda – Weimarer Land I · WK 19018,7 %
- Hamburg-Altona · WK 1918,0 %
- 284 Wahlkreise ausgelassen
- Straubing · WK 2303,5 %
- Schwandorf · WK 2333,3 %
- Deggendorf · WK 2263,1 %
Zwischen dem höchsten Wert (31,7 %, Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost) und dem niedrigsten (3,1 %, Deggendorf) liegt der Faktor 10,2. In 271 der 299 Wahlkreise lag der Anteil bei fünf Prozent oder darüber.
Grundlage: endgültiges amtliches Endergebnis der Bundestagswahl 2025 der Bundeswahlleiterin (Open Data, kerg2), Zweitstimmen-Anteile je Wahlkreis. Gezeigt sind 15 von 299 Wahlkreisen — die Auswahl ist eine Spitzen- und Schlussliste, keine vollständige Verteilung. Ergebnis im eigenen Wahlkreis
Die Linke in den Landtagen
Deutschland ist ein Bundesstaat: Jedes Land hat ein eigenes Parlament, ein eigenes Wahlrecht und einen eigenen Wahltermin. Eine Partei kann deshalb im Bund einen Wert haben und in den Ländern sechzehn ganz verschiedene.
Aktuell ist die Partei in 7 von 16 Landtagen mit einer Fraktion vertreten; in 9 Ländern ist sie es nicht. Der höchste Sitzanteil liegt bei 13,6 % in Thüringen, der niedrigste bei 5,0 % in Sachsen.
Beim Vergleich solcher Werte gilt derselbe Vorbehalt wie bei jeder Länder-Übersicht: Die Landtage wurden zu verschiedenen Zeitpunkten gewählt, teils Jahre auseinander. Eine solche Reihe ist deshalb kein Stimmungsbild eines Stichtags. Wie eine Partei in einem Land heute stünde, zeigen eher die Landesumfragen.
Und die Landtagswahlrechte unterscheiden sich je Bundesland deutlich: Sperrklausel, Zuteilungsverfahren, Zahl der Stimmen und Parlamentsgröße sind nicht überall gleich, und einzelne Länder kennen Ausnahmen, die es im Bund nicht gibt. Deshalb steht in unseren Landtags-Auswertungen der Sitzanteil und nicht die nackte Sitzzahl — 20 Sitze bedeuten in einem kleinen Landtag etwas anderes als in einem großen.
Wer ein Land regiert, entscheidet der Landtag
Der Ministerpräsident wird vom jeweiligen Landtag gewählt, nicht direkt vom Volk. Auch dort braucht es dafür eine Mehrheit — meist eine Koalition.
Der Bundesrat hängt daran
Über die Landesregierungen wirken die Länder im Bundesrat an der Bundesgesetzgebung mit. Landtagswahlen verändern deshalb auch die Mehrheiten in Berlin.
Kommunal wird getrennt gezählt
In unserer Auswertung kommunaler Spitzenämter entfallen auf diese Partei 1 Oberbürgermeisterposten in den erfassten Großstädten; bei den Landratsämtern sind es 1. Mandate in Kreistagen und Gemeinderäten zählt diese Auswertung nicht mit.
Opposition ist eine eigene Rolle
Wer nicht mitregiert, ist Opposition — mit eigenen Rechten: Fragen an die Regierung, Anträge, Untersuchungsausschüsse. Dieselbe Partei kann in einem Land regieren und im nächsten Opposition sein.
Mitglieder: erst der Rückgang, dann die Verdopplung
Mitgliederzahlen sind eine der wenigen Größen, an denen sich eine Partei jenseits von Wahltagen messen lässt. Bei dieser Partei ist die Reihe ungewöhnlich: Nach Jahren des Rückgangs stand der niedrigste Wert der erfassten Reihe bei 54.000 Mitgliedern (2023). Zuletzt waren es 123.126 (2025) — ein Zuwachs um rund 128 % gegenüber dem Tiefpunkt.
Damit steht die Partei nach Mitgliederzahl auf Platz 5 unter den hier erfassten Parteien. Zum Vergleich: Die beiden traditionell mitgliederstärksten Parteien haben über Jahrzehnte jeweils die Hälfte ihrer Mitglieder oder mehr verloren.
Warum Mitglieder für eine Partei mehr sind als Beitragszahler: Sie stellen die Kandidaten auf — sowohl für den Wahlkreis als auch für die Landesliste —, besetzen die Kreisverbände und tragen den Wahlkampf vor Ort. Wer Mitglieder gewinnt, gewinnt Menschen, die sich für kommunale Mandate aufstellen lassen; das wirkt sich allerdings erst über Jahre aus.
Ein anderer Wert aus derselben Untersuchung sagt etwas über die Zusammensetzung: Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 45 Jahren, und 31,9 % von ihnen sind höchstens 30 Jahre alt. Am anderen Ende der Spanne steht mit 62 Jahren die SPD. Das Durchschnittsalter der Mitglieder sagt dabei nichts über das Alter der Wähler — Mitglieder sind eine sehr kleine und sehr eigene Gruppe.
Und die Grundregel bleibt: Mitgliederzahl und Wahlergebnis messen verschiedene Dinge. Eine Partei kann Mitglieder gewinnen und bei Wahlen verlieren, und umgekehrt. Über 60 Millionen Menschen in Deutschland sind wahlberechtigt; Parteimitglied ist nur ein sehr kleiner Bruchteil davon.
Partei, Fraktion, Gruppe — drei verschiedene Dinge
Drei Begriffe werden im Alltag durcheinandergebracht, obwohl sie Verschiedenes bezeichnen. Bei einer Partei, die mehrfach knapp an der Hürde lag, fällt der Unterschied besonders auf.
Die Partei ist der Verein außerhalb des Parlaments: Mitglieder, Vorstand, Parteitage, Programme. Sie beschließt, mit welchen Inhalten und welchen Personen sie zur Wahl antritt — den gewählten Abgeordneten kann sie aber nichts vorschreiben.
Die Fraktion ist der Zusammenschluss der gewählten Abgeordneten im Parlament. Sie ist ein Organ des Parlaments, kein Ableger der Partei. Für den Fraktionsstatus im Bundestag verlangt die Geschäftsordnung mindestens fünf Prozent aller Mitglieder des Hauses. An diesem Status hängt viel Praktisches: Redezeit, Sitze in Ausschüssen, Mitarbeiterstellen, das Recht, bestimmte Anträge allein zu stellen.
Wird diese Größe nicht erreicht, kann der Bundestag den betroffenen Abgeordneten den Status einer Gruppe zuerkennen. Eine Gruppe hat weniger Rechte als eine Fraktion, aber mehr als einzelne fraktionslose Abgeordnete. Diese Konstellation gab es in der Geschichte des Bundestages mehrfach, und sie betraf in der zurückliegenden Wahlperiode auch die Abgeordneten dieser Partei, nachdem sich die Fraktion aufgelöst hatte.
Die Regierung schließlich besteht aus Kanzler beziehungsweise Ministerpräsident und den Ministern und wird vom jeweiligen Parlament getragen. Wer im Kabinett sitzt, wird zwischen den Koalitionspartnern ausgehandelt. Nach unserer Übersicht der Landesregierungen ist diese Partei derzeit in 2 von 16 Ländern an der Regierung beteiligt (Bremen und Mecklenburg-Vorpommern); an einer Bundesregierung war sie bisher nicht beteiligt. Dieselbe Partei kann also in einem Land regieren und im nächsten in der Opposition sitzen.
Wie sich die Partei finanziert
Parteien in Deutschland finanzieren sich aus drei Quellen: Mitgliedsbeiträgen, Spenden und der staatlichen Teilfinanzierung. Die Regeln stehen im Parteiengesetz und gelten für alle gleich — die Einzelheiten stehen im Artikel zur Parteienfinanzierung.
Die staatlichen Mittel folgen dem Erfolg bei Wahlen und den selbst erwirtschafteten Einnahmen. Wer mehr Beiträge und Spenden einwirbt, erhält mehr — allerdings höchstens so viel, wie er selbst erwirtschaftet hat, und insgesamt nur bis zu einer gesetzlichen Obergrenze für alle Parteien zusammen. Eine Partei, die aus dem Bundestag ausscheidet, verliert deshalb nicht sofort ihre gesamte Finanzierung: Maßgeblich sind die Wahlergebnisse, nicht die Mandate.
Für das Berichtsjahr 2024 weist die amtliche Rechenschaftslegung für diese Partei Gesamteinnahmen von 29.980.521 Euro aus. Diese Berichte sind für alle Parteien verpflichtend und werden als Bundestagsdrucksache veröffentlicht — sie sind die belastbarste Quelle zu Parteifinanzen, die es gibt.
Wie andere Parteien verfügt auch diese über eine parteinahe Stiftung. Solche Stiftungen sind rechtlich von den Parteien getrennt, erhalten aber erhebliche öffentliche Mittel für politische Bildung. Alle Parteien nebeneinander stehen auf unserer Seite zu Parteispenden und Parteifinanzen.
Umfragen zur Linken richtig lesen
Für Umfragewerte gilt dasselbe wie für jede andere Partei — der Artikel zur Sonntagsfrage erklärt es ausführlich, hier das Wichtigste in Kürze.
Eine Umfrage ist keine Wahlprognose, sondern eine Momentaufnahme. Sie beruht auf rund 1.000 bis 2.000 Befragten und hat einen Fehlerbereich von etwa drei Prozentpunkten. Zwei Institute, die am selben Tag verschiedene Werte melden, widersprechen sich deshalb meistens nicht.
Für eine Partei in dieser Größenordnung ist ein Punkt besonders wichtig: Der Fehlerbereich trifft kleinere Parteien relativ härter. Der Unterschied zwischen 6 und 9 Prozent klingt nach einer Verschiebung, liegt aber noch im Bereich normaler Ungenauigkeit. Ein Trend wird erst sichtbar, wenn mehrere Institute über mehrere Wochen in dieselbe Richtung zeigen.
Ein zweiter Punkt betrifft gerade diese Partei: In der Nähe der Fünf-Prozent-Hürde ist derselbe Fehlerbereich folgenreicher als anderswo. Ob eine Partei bei 4,5 oder 5,5 Prozent gemessen wird, macht in der Sitzverteilung den Unterschied zwischen null und mehreren Dutzend Sitzen — obwohl der Abstand kleiner ist als die Ungenauigkeit der Messung.
Aktuelle Werte aller Institute nebeneinander, jeweils mit Erhebungszeitraum und Auftraggeber, stehen auf unserer Umfrage-Übersicht zur Bundestagswahl. Wie genau die Institute in der Vergangenheit lagen, haben wir auf der Seite zu den Umfrageinstituten nachgerechnet.
Nie einer einzelnen Umfrage folgen
Erst der Durchschnitt mehrerer Institute über mehrere Wochen ergibt ein belastbares Bild.
An der Hürde zählt jeder Zehntelpunkt
Nahe fünf Prozent entscheidet ein Unterschied, der kleiner ist als der Fehlerbereich, über sehr viele Sitze.
Bund und Land nicht verwechseln
Eine bundesweite Sonntagsfrage sagt wenig über ein einzelnes Bundesland — bei dieser Partei gehen die Landeswerte besonders weit auseinander.
Umfrage ist nicht Wahl
Am Wahltag entscheidet auch die Wahlbeteiligung — wer tatsächlich hingeht. Das kann keine Umfrage zuverlässig messen.
Häufige Fragen zur Linken
Sechs Fragen, die immer wieder gestellt werden — sachlich beantwortet.
Seit wann gibt es Die Linke?
Unter diesem Namen seit 2007, entstanden aus PDS und WASG. Die amtliche Ergebnisreihe beginnt früher, weil sie die Vorläuferpartei einschließt — deshalb steht in der Grafik oben 1990 als erstes Jahr.
Wie kann eine Partei mit unter fünf Prozent im Bundestag sitzen?
Über die Grundmandatsklausel: Wer genügend Wahlkreise direkt gewinnt, wird bei der Sitzverteilung berücksichtigt, als hätte er die Hürde genommen. Das ist bei dieser Partei in 4 Wahlen vorgekommen.
Wie viele Sitze hat die Fraktion aktuell?
64 von 630 Sitzen. Davon kamen 6 aus gewonnenen Wahlkreisen und 57 über Landeslisten.
Warum sind die Ergebnisse in Ost und West so verschieden?
Dass sie es sind, zeigen die Zahlen: 19,9 % in Berlin gegenüber 5,7 % in Bayern. Über die Ursachen führt PolitikCheck keinen eigenen Datensatz und stellt deshalb hier keine Erklärung auf — Parteienforschung dazu gibt es, eine eigene Deutung wäre nicht belegt.
Ist die Partei in allen Landtagen vertreten?
Nein — in 7 von 16. Landtagswahlen finden zu verschiedenen Zeitpunkten statt und folgen je Bundesland eigenem Wahlrecht.
Wo finde ich die Positionen der Partei zu einzelnen Themen?
Im PolitikCheck-Kompass. Er erfasst alle Parteien nach demselben Schema und belegt jede Position mit einer Fundstelle — das ist der Ort für inhaltliche Vergleiche, nicht dieser Artikel.